Andreas Laszlo von Knallgrau hat mich heute auf ein Employer Branding Video hingewiesen, welches die Wiener Mediaagentur für einen der weltweit größten Versicherer, die Allianz, wohl konzepiert hat. Das Video soll in Kinos und natürlich auf der Website der Allianz für Begeisterung bei poteniellen Bewerbern sorgen. “Kein Tag wie der andere” lautet der Titel des Films.
Ein Unternehmen wie Allianz hat zwar einen bekannten Namen, aber in meinen Augen einfach schon mal das Problem, als Versicherer nicht unbedingt als spannender Arbeitgeber zu gelten. Dazu blickt man auf ein Unternehmenshistorie mit Flecken auf der Weste. So wurden zwischen 1933 und 1945 unter anderem Gebäude und Personal in Auschwitz und Dachau von der Allianz versichert. Der nationalsozialistischen Vergangenheit des Unternehmens hat sich 1993 der damalige Vorstandsvorsitzende Henning Schulte-Noelle gestellt und ein Firmenarchiv aufbauen lassen. Online kann man das Archiv übrigens hier besuchen.
In jüngerer Zeit ist es wohl vor allem der Stellenabbau und das Zusammenstreichen von Niederlassungen seit 2006 -trotz Rekordumsätzen- was man den Bewerbern irgendwo auch erklären muss. Spätestens vielleicht beim Einstellungsgespräch. Aber wieder zum Video. Das Video ist ein Employer Branding Video, was ein wenig aus der Reihe tanzt. Trotz Schauspieler und schöner Kameraeinstellungen, ist kein richtiges Hochglanzvideo entstanden, sondern eher ein Symphatieträger aus witzig verpackten, bekannten Situationen im Kurzfilmstil.
Fehlerfrei das Ganze und auf hohem Niveau. Eben für´s Kino und Imagefördern. Aber auch bei den Bewerbnern, oder eher bei potentiellen Kunden? Als Recruitingvideo wird es nicht taugen. Bewerber verlangen Authensität und Einblicke in das Unternehmen. Auch dieses Video lässt den Bewerber vor der Türe stehen. Klar, Emotionalität bringt Pluspunkte, die aber spätestens bei der Bewerbungsphase verraucht. Aber ganz ehrlich. Ein Employer Branding Video für einen versicherer zu drehen um ausgerechnet Vertriebler zu erreichen ist eine verdammt undankbare und schwierige Aufgabe. Übrigens, bin mal gespannt wann bei Allianz die ersten Emails landen mit der Frage, ob es keine Firmenwagen mehr gibt. Der Außendienstler im Film scheint alle Kunden zu Fuss besuchen zu müssen ;-)
Bei JobTV24 gibt es auch ein Video der Allianz. Dort aber werden dann auch Probleme der Vergangenheit angesprochen und die Münchner Zentrale von innen gezeigt. Leider auch das nur ein Imagevideo, da kein bestimmter Job richtig vorgestellt wird. Aber immerhin mit ein paar Informationen mehr, dafür ohne große Emotionen und ohne Begeisterung. Warum muss ein Versicherer sich so steif präsentieren? Man sucht Mathematiker, aber an Beispielen wie der Job aussehen könnte, ob man auch von zu Hause mal arbeiten kann oder in einer der Niederlassungen, welche sozialen und monetären Mehrwerte geboten werden-die sicherlich bei einem Versicherer dieser Größe existieren – kein Wort. Was ich mich auch bei diesem Video frage ist: wo guckt die Personalchefin eigentlich immer hin? Läuft das in Bewerbungsgesprächen auch so ab?































Dezember 16th, 2008 at 09:53
Hi Thorsten,
ich frage mich ja inzwischen, nachdem ich neulich gehört habe, daß wir inzwischen/demnächst in der “V-Generation” (für Video) leben, ob diese tatsächlich entscheidenden Ausschlag auf eine Bewerbung haben…
Ich persönlich glaube, daß dem nicht so ist. Ja, vielleicht rundet es ein Bild ab, dass man durch das “scanning” von einer Firma erhalten hat. Schließlich ist es doch das Vorstellungsgespräch, das den Ausschlag gibt, oder?
Zudem finde ich es, wie Du ja in Deinem Post schon schreibst, ebenfalls merkwürdig, daß die meisten Videos eine “heile Welt zeigen”, die ja der Realität nicht entspricht… Warum trotzdem der Trend in diese Richtung?
Beste Grüße aus Stuttgart
Johannes