Marcus hat am Freitag die Frage in seinem Post gestellt, ob Yourcha nun eine einfache Stellenbörse ist, oder es aber nur auf die Adressen abgesehen hat. Ein Frage die wohl so einfach nicht zu beantworten ist, da tatsächlich eine Menge negativer Darstellungen, gerade durch unsere Bloggergilde, ins Netz gestellt wurden. Ob die Kritik berechtigt oder unberechtigt ist, kann auch ich nicht sagen. Dazu bedarfs es ausgiebiger Recherche. Ich möchte yourcha und seine Ideen heute einfach mal ganz neutral betrachten. Und für Marcus und alle die die Zeitung noch nicht gesehen haben, ein paar Bilder.
Tatsache ist, die Geschäftsidee von yourcha ist nicht neu, sondern ein alter Hut. Den Anfang machte wie so oft als First Mover, jobpilot 1997 mit der Stellengesuchedatenbank. Heute ist die Datenbank mit anonymisierten Lebensläufen Standart in vielen Jobbörsen und unterscheidet sich schlicht in der Art der monetären Umsetzung. Während man bei den einen für eine bestimmte Kontaktzahl oder bestimmte Laufzeiten bezahlt, bietet eine andere wiederum an per von Bewerber bestätigten Kontakt zu zahlen.
Diese Datenbanken sind nicht schlecht, aber für die meisten Personaler einfach viel zu zeitaufwendig. Deswegen tummeln sich in den Datenbanken auch gerne Personalberater. Denn auch die bekommen über die Anzeigen immer weniger Kandidaten. Wie das Verhältnis zwischen Unternehmen und Personalberater bei der Kundschaft von Yourcha ist, weiß ich nicht. Auch ist eine Datenbank immer nur so gut, wie die Bewerber darin frisch sind. Karteileichen können nun mal nicht antworten.
So wichtig wie aktuelle Lebensläufe, ist auch eine ordentliche Füllung, damit die Suche wenigstens genug Treffer bringt und somit die zur Wiederkehr bewegt, die für die Nutzung zahlen. Laut alexa.com sind die Zahlen auf dem absteigenden Ast. Egal ob Reach, Rank oder Pageviews, mein Blog hat bessere Zahlen vorzuweisen. Alexa ist nicht alles, aber die Richtung stimmt. Nach oben kann man fuschen, abwärts wird das sicherlich keiner machen. Also muss man rührig werden um an User und damit an Bewerber zu kommen. Und siehe da, yourcha bringt eine “kostenlose Karriere Zeitung” heraus. Die Auflage von 150.000 Stück wird in Hamburg, Frankfurt und München verteilt. Ab September dann in allen Großstädten.

Foto der yourcha Karrierezeitung für Frankfurt und Hamburg
Neu ist auch das nicht. 1999 hat jobpilot eben genau das gleiche getan. Nach 3 Monaten war dann Schluss. Der Gedanke, printaffine Menschen würden damit ins Internet gelockt ist schlichtweg nicht richtig. Es gibt in der Regel nicht den Zeitungsleser und auf der anderen Seite den Internetnutzer. Das war schon 1999 nicht so und heute erst recht nicht.
Die Kosten scheint man mittels Anzeigen minimieren zu wollen. Ganzseitige Anzeigen in der Ausgabe sind allerdings schon mal von Kooperationspartnern. Ob die dann dafür zahlen, ist fraglich.

Ganzseitige Jobanzeigen
Die anderen Jobs findet man auf rund der Hälfte der Seiten. Hier stehen sie dann. Dichtgerängt bestehen die Anzeigen aus Jobtitel, Firmenname, Ort und natürlich dem Online Code. Manche haben noch ein Kurzzeichen, wie man es von Ferienhäusern kennt. Dort wird dann angezeigt, ob eine Waschmaschine vorhanden ist oder der Hund mitgenommen werden darf. Hier sind es aber die Mitarbeiterzahl, Branche und Gründungsjahr. Auf dem Umschlag gibt es dann einen Ticket-Code. Gebe ich den ein, muss ich mich anmelden. Genau so als wenn ich ganz normal auf die Seite gehe. Wo bitte ist der Mehrwert?

Liste der Jobs
Das man sich erst anmelden muss um die Leistungen zu nutzen ist nicht ganz wahr, wird aber immer gerne zitiert. Nach Jobs kann man einfach suchen ohne sich anmelden zu müssen. Hinter den Jobs liegt eine Suchmaschine die das Web nach Stellenangeboten abspidert und anzeigt. Die verkauften Anzeigen werden dabei ganz oben gelistet. Für das Hinterlegen des Lebenslaufes, muss man sich anmelden. Aber dies ist bei allen anderen Lebenslaufdatenbanken ebenso nötig. An persönlichen Daten werden neben Namen und E-Mail Adresse, der Ort und die Postleitzahl abgefragt. Alles was man zur Kommunikation zu yourcha und für eine Ortsuche von Seiten der Unternehmen zum Bewerber braucht. Die Frage nach dem Geburtsjahr ist wohl für statistische Zwecke gedacht. Ist mir aber schon zu viel.
Ich persönlich glaube nicht an den Erfolg des Angebotes einer Bewerberdatenbank im großen Stil. Was da als neuartig verkauft wird, ist in Wirklichkeit Standart. Die monatlich bestimmt rund € 40.000,- bis € 45.000 an Produktionskosten für die Zeitung, hätte man sich auch in meinen Augen sparen können. Das Marketing so auszurichten, dass man Menschen zum Jobwechsel animieren möchte, finde ich ehrlich gesagt auch nicht so spannend. Der Slogan “Mehr Spaß, mehr Geld. Nur bei yourcha” hört sich eher nach Seelenfänger als nach seriöser Stellenbörse an. Das gleiche gilt für so manchen Tipp in der Zeitung. Bei den 10 guten Gründen für den Jobwechsel steht zum Beispiel: “Studien beweisen: Beim Jobwechsel sind oftmals bis zu 20% mehr Gehalt drin” Klar, wenn ich als Bundeswehrpilot zur Lufthansa wechsel oder bei Blackwater anheuer.






























September 1st, 2008 at 11:12
Guter, neutraler Beitrag, am besten finde ich den Absatz, dass hier “deutliche Mehrkosten” auf das Unternehmen zukommen, und das ist wohl wahr. Die Prozesskosten bei einer Nutzung einer CV Datenbank sind immens, und binden Menschen & Kapital, und das vor allem in den “chronisch unterbesetzten” HR Abteilungen! Gruss TS
September 1st, 2008 at 13:28
@Thorsten,
Nachdem die ‘Blogger-Gilde’ yourcha an den virtuellen Pranger wegen Spam-Mails gestellt haben, ist Dein Artikel bemerkenswert neutral gehalten. Kein Blogger würde sich echauffieren, wenn sein realer Briefkasten mit Werbe-Flyers der Lebensmittel-Discounter voll gestopft wird - das ist kein berichtenswertes Thema, weil es Alltags-Realität ist. Aber Spam im e-Mail-Eingang, igitt igitt!
Und yourcha hat mit diesen Kommentaren ein aktives Reputation-Management gezeitgt, und zu diesen Vorwürfen in ihrem Blog http://blog.yourcha.com/?p=10 detailliert Stellung genommen. Erfahrungen mit einer Print-Ausgabe mit Stellenanzeigen hat nicht nur Jobpilot gesammelt, auch die Paderborner Jobware-Marketing-Strategen haben einen Ausflug in die Print-Szene hinter sich gebracht.
Ob yourcha funktioniert, entscheidet der Markt. Gruss Richard
September 2nd, 2008 at 21:06
@Richard.
ja, ich sehe es auch so. Man muss einfach den Markt entscheiden lassen ob Bedarf nach dem Angebot besteht. Beim Start sind ein paar Dinge zusammengekommen wo man sich nicht wundern muss, dass die Öffentlichkeit so reagiert. Fehler, wie das Bannern von Kunden die keine sind, sind schwer aus dem Gedächtnis der Kunden und des Marktes zu löschen. Manchmal muss man offen sagen wenn man Mist baut und einen Strich drunter machen, um zu zeigen dass man das auch besser kann.