
Nachdem sich in den Jahren 1999 bis 2001 eine gewisse Erkenntnis über das Gestalten von Stellenanzeigen durchgesetzt hat, scheint nun alles Wissen über eine richtig gestaltete Jobanzeige über Bord geworfen zu sein. Und hier spielt es keine Rolle ob die Anzeige von einem Unternehmen stammt oder aus der Feder beziehungsweise dem Rechner einer Agentur.
Aufgrund von Schulungsmaßnahmen für neue Mitarbeiter in unserem Hause, habe ich die unterschiedlichen technischen, stilistischen und optischen Qualitäten von Stellenanzeigen vorführen wollen. Als Quelle habe ich die großen Stellenbörsen zu Rate gezogen. Wir haben festgestellt dass fast alle der Anzeigen, nicht optimal gestaltet waren.
Scannen – nicht lesen!
Man liest im Internet anders als in gedruckten Medien – und das weiß man. Warum beachtet man das also nicht? Stellenanzeigen in einer Tageszeitung werden von links oben nach rechts unten gelesen, und dabei die Wörter in den Sätzen in Reihenfolge wahrgenommen. Hier liest man aber nicht jedes Wort, sondern springt von einem Teil eines Wortes, in einen Teil des nächsten oder übernächsten Wortes. Sei kennne das mit Säztne dei mna verdhtre und tortzdme lenes knan? Wenn Sie etwas nicht verstanden haben, dann springt Ihr Auge wieder dahin zurück, wo Sie das letzte Wort richtig meinen, erfasst zu haben. Sie müssen aber nicht zwangsläufig das ganze Wort lesen.
Die Online-Anzeige wird vom menschlichen Auge lediglich gescannt. Man kann sich dies so vorstellen wie bei einer Bildbetrachtung, wo ich mir mit einem Überblick Eindrücke verschaffen möchte. Der Grund dafür ist ein einfacher: Es liegt am physiognomischen Problem der Augen. Bei Papierformaten hat man einen sehr guten Kontrast zwischen dunkler Schrift und hellem Papier. Der Bildschirm allerdings leuchtet zwischen den einzelnen Buchstaben als ein sehr helles Licht. Dadurch ermüden die Augen viel schneller und es kann nur mit einem Viertel der normalen Lesegeschwindigkeit, gearbeitet werden. Aus diesem Grunde, ist die Art und Weise wie ich die Informationen aufbereitete, sehr wichtig.
Aufzählung/Bullet Points
Welche Informationen sind für den Bewerber wichtig? Das, was das Unternehmen fordert und dass was ich als Bewerber zu erwarten habe. Wenn Sie hier mit einem Fließtext arbeiten, ist das so als wenn sie ihre Informationen mit einer Tarnung ausrüsten. Seien Sie sich im Klaren, dass die Welt nicht auf Ihre Stellenanzeige gewartet hat. Als Bewerber durchsucht man die einzelnen Anzeigen nach den passenden Informationen. Bedingt durch die besondere Wahrnehmung beim Lesen im Internet und dem Wunsch in kurzer Zeit möglichst schnell an die Informationen zu kommen, sollten Sie diese auch entsprechend anbieten.
Hier ist und bleibt die Aufzählung das Non plus Ultra! Sie können das sehr gerne selbst einmal ausprobieren. Welcher Text ist für Sie leichter lesbar, beziehungsweise die Informationen schneller zu erfassen:
Wir erwarten
Sie sollten eine hervorragend abgeschlossene, universitäre Ausbildung genossen haben. Mit einem Schwerpunkt im Bereich Maschinenbau, würden Sie hervorragend zu uns passen. Außerdem sollten Sie erste berufliche Erfahrungen, in den Bereichen Beratung oder Projektmanagement, gemacht haben.
oder:
Wir erwarten
- Eine hervorragend abgeschlossene, universitäre Ausbildung
- Idealerweise im Bereich Maschinenbau
- Erste berufliche Erfahrung
- Möglichst in den Bereichen Beratung oder Projektmanagement
Und stellen Sie sich einmal vor Sie hätten 50 oder 60 Stellenanzeigen zu lesen um eine einigermaßen passende Arbeitsstelle zu finden. Als aktiv suchender Bewerber schauen Sie auch nicht nur einmalig in eine Stellenbörse, sondern werden über einen längeren Zeitraum, dies mehr oder weniger täglich tun. Warum machen Sie es diesen Bewerbern denn dann so schwer?
Noch ein Beispiel:

Bewerbungs- & Kontaktmöglichkeiten
Was mich sehr erstaunt, ist dass viele Unternehmen die Bewerber zu lediglich einer Form der Bewerbung zwingen wollen. Ich gebe Ihnen recht, wenn Sie eine Marketing Assistentin suchen sollten. Dann werden Sie wahrscheinlich von Bewerbungen überrollt werden. Hier können Sie froh sein, wenn Sie die Eingänge mittels einer Workflowsoftware verwalten können. Wenn Sie allerdings im Fach und Führungskräftebereich suchen, wissen Sie und ich, dass Sie froh sein können wenn Sie eine oder einige wenige Bewerbungen bekommen. Dies gilt vor allem in schwierig zu besetzenden Bereichen wie IT und Ingenieureswissenschaften.
Um es kurz zu machen: ich muss dem Bewerber die Möglichkeit bieten sich:
telefonisch zu informieren
den richtigen Ansprechpartner zu haben
mich wahlweise per E-Mail,
und per Post,
und per Formular zu bewerben
Auch wenn Sie jetzt aufstöhnen sollten und meinen das ich keine Ahnung habe, wie sehr Sie ein Anruf aus der täglichen Arbeitsroutine reißt. Oder Sie froh sind dass Sie endlich ein Bewerbungstool und eine Datenbank haben und von E-mail-Bewerbungen oder gar postalischen Bewerbungen nichts mehr wissen wollen: Versetzen Sie sich in die Lage des Bewerbers. Wenn Sie keine fertige Bewerbung zur Hand haben und den Job interessant finden, sich aber nur per mail mit einem Lebenslauf als pdf bewerben können und eigentlich eine Menge Stress um die Ohren haben….dann lässt man das auch schon mal gerne sein mit dem Bewerben.
Oh, sagen Sie mir jetzt bitte nicht, dass wenn der Bewerber sich wirklich für das Unternehmen interessiert, sich dann auch die Mühe geben sollte dementsprechend zu agieren. Wenn Ihr Vertrieb denken würde, dass Ihre potentiellen Kunden bitte selbst anrufen sollen, da Ihr Produkt oder Dienstleistung so toll ist, bräuchten Sie erstens keinen Vertrieb und zweitens wären Sie selbst bald arbeitslos. Machen Sie alle Kanäle auf. Bieten Sie alle Formen der Bewerbung an. Und ja, das macht mehr Arbeit und kostet auch mehr. Vielleicht können Sie sich durch solche Maßnahmen aber auch die eine oder Anzeige sparen, weil Sie schon bei der Erstinsertion erfolgreich waren. Notfalls muss man über die Einstellung einer Hilfskraft oder Praktikanten nachdenken, die das in Spitzenzeiten auffangen können. Oder ich lager es aus, an einen Dienstleister.
Erlaubte Datenmengen
Deutschland, das Land der Gesetze und Verbote. Dies scheint auch bei einigen Personalabteilungen als Leitsatz zu gelten. Wer hat Ihnen im Unternehmen gesagt, dass die Anhänge der Bewerber nicht größer als maximal 1 MB sein dürfen? Was glauben Sie, wie viele Bewerber damit ein Riesenproblem haben?
Wenn Sie Ihre Zeugnisse, Lebenslauf usw. eingescannt haben, und dies dann als PDF generieren, kann es sein dass Sie sehr schnell über 1 MB Datenmenge kommen. Probieren Sie das doch mal selber. Das wird ab vier Arbeitszeugnissen nämlich sehr schwer. Dass man dies noch minimieren kann, ist richtig – kann aber nicht jeder. Sie verbauen aber in dem Moment potentiellen Bewerbern den Weg, sich bei Ihnen zu bewerben. Gehen Sie zu Ihrer IT Abteilung oder zur Geschäftsführung, und machen Sie dieses Problem publik. Für die Bewerber darf es keine solchen Einschränkungen geben! Und man richtet Ihnen bestimmt gerne ein entsprechendes E-Mail Postfach ein. Ohne strenge Auflagen. Manchmal muss man eben nur mal fragen.
Übrigens, manche älteren Microsoft Proxy Server hatten Probleme mit e-Mails die eben größer sind als 1MB. Ich vermute, dass hier oftmals das Problem lag. Ansonsten liegt es einfach oft an der Filtereinstellung, die dann alle Mails mit größer als eben 1 MB aussortieren soll. Also eine Einstellungsfrage. Für die Bewerbungseingänge, sollte dies aber nicht gelten!
Hier ein Auszug aus einer aktuellen Stellenanzeige für einen System- und Netzwerkadministratoren. Was der sich wohl denkt?
Max. 1MB Bewerbung bitte (toller Server an dem ich basteln soll)
Damit meine Bewerbung überhaupt was bringt, ist es zwingend erforderlich…
Postalische Bewerbungen werden nicht berücksichtigt

Linkfunktionen
Mittlerweile hat es sich ja nun doch zum Glück durchgesetzt, dass man die Website des Unternehmens in der Stellenanzeige angibt. Hier kann sich der Bewerber dann über das Unternehmen informieren. Mittlerweile ist es allerdings so, dass viele Stellenanzeigen nicht mehr über eine Linkfunktion des Firmenlogos verfügen. Warum? Die User im Internet sind es gewohnt, dass gerade über das Logo die Funktion ausgelöst wird, auf die betreffende Homepage zu gelangen.
Ich wette das Ihre Unternehmenswebsite, oder falls Sie eine eigene private Website besitzen, ebenfalls diese Funktion als Selbstverständlichkeit besitzt. Erfüllen Sie diese Erwartungen der User. Sie kennen das Problem, wenn Sie in einem fremden Auto sitzen und das Licht anmachen wollen, aber nicht finden? Sehen Sie.
Selbstbeweihräucherung
Wissen Sie warum die meisten Firmendarstellungen in einer Stellenanzeige nicht mehr gelesen werden? Weil sie die ewig gleichen Superlativen enthalten. Ist Ihr Unternehmen auch:
Marktführer
innovativ
größter Hersteller im …
zu den expansivsten internationalen Herstellern zugehörig
weltweit führenden
Es ist unglaublich, wie viele Weltmarktführer in bestimmten Bereichen tätig sind. Solange Parallelwelten noch nicht bestätigt sind, sollten Sie mit diesen Aussagen etwas vorsichtiger umgehen. Es ist löblich, stolz auf seine Firma zu sein. Aber bitte bedenken Sie, dass es für den Bewerber vielleicht wesentlich interessanter ist zu erfahren, was sie, wo sie, mit wem sie, mit was sie welche Produkte oder Dienstleistungen herstellen oder vertreiben. Wer sind ihre Kunden, gibt es vielleicht eine Erfolgsstory, die kurz angerissen werden kann?
Eigentlich ist es kurz auf den Punkt zu bringen: versetzen Sie sich einfach doch in die Lage der Suchenden. Denken Sie auch daran, dass Sie persönlich betriebsblind sind – ob Sie wollen oder nicht. Lassen Sie Ihre Stellenanzeigen doch einmal von Außenstehenden testen. Holen Sie sich eine objektive Meinung ein.






























März 19th, 2008 at 11:39
Klasse Beitrag! Als Journalist stört mich zwar die Eigen-PR am Schluss im redaktionellen Teil, doch insgesamt sehr informativ und ein wirklich origineller Ansatz. Meist wird ja nur der Bewerber mit Ratschlägen überzogen, wie er es besser machen sollte.