Mobile Lösungen sind bei der Jobsuche ein aktuelles Thema. In Vorträgen und Seminaren ein Dauerbrenner. Viele Kollegen in den Reihen der Recruiting Experten sehen da die Zukunft des Recruitings. Ich glaube aber, das es noch zu viele Hürden gibt um das Zeitalter des Mobile Recruiting einzuläuten. Es scheitert an den Endgeräten, dem Surfverhalten, dem Aufwand und letztendlich an den Kosten.
Zunächst einmal ist die mobile Jobsuche nicht neu. Schon seit über 10 Jahren können sich Bewerber per SMS über verschiedene Jobbörsen die passenden Jobs zusenden lassen, oder bekommen eine Benachrichtigung, dass ihr Profil soeben in einer Datenbank kontaktiert wurde. Zugegeben, das war keine Kommunikation zwischen Unternehmen und Bewerber, sondern ein Benachrichtigungssystem.
Heute gibt es eine Vielzahl von mobilen Anwendungen für das Recruiting bwz. die Jobsuche. Was aber ist mit den Menschen, die aktiv nach einem Job suchen und dafür das Mobiltelefon, also Handy, nutzen? Ich glaube nicht, dass die mobile Jobsuche so benutzt wird, wie sich das viele versprochen haben.
Gründe warum die mobile Jobsuche in meinen Augen nicht wirklich genutzt wird.
1. Bequemlichkeit: Schon mal den Selbstversuch gewagt? Wer seine Jobsuche in einer Stellenbörse abspeichert und sich über passende Jobs per EMail auf sein Handy benachrichtigen lässt, wird nach einigen Tagen zumeist genervt aufgeben. Nicht nur das man zugeschmissen wird mit Jobs. Es ist einfach viel zu zeitraubend die ganzen Mails auf dem Handy durchzuschauen und den jeweiligen Job aufzurufen.
2. Zeit & Ort: Wenn man sich die Zugriffsstatistiken der Stellenbörsen anschaut, dann sieht man wie die Zugriffe Wochentags zu Beginn der Arbeitszeit zunehmen. Klar, viele aktiv suchende Bewerber suchen zumeist von ihrem Arbeitsplatz aus. Für diese On-the-Job-Suchenden ist die mobile Nutzung eher hinderlich. Wie sieht das denn aus? Zwischendurch immer wieder mal mit dem Handy spielen?
3. Der Desktop Rechner: Ich kenne keine Studie über das Verhältnis zwischen heimischen Desktop Rechnern und mobilen Surfern. Aber ich behaupte ganz ohne Zahlen im Rücken, das die meisten Nutzer von mobilen Angeboten, über einen zusätzlichen Rechner mit Internetzugang in den eigenen 4 Wänden verfügen. Wer dann nicht wie in Punkt 2 vom Arbeitsplatz, sondern von zu Hause aus nach einem Job sucht und sich zwischen Desktop und Handy entscheiden soll…..
4. Die Endgeräte: Mit nahezu jedem Handy kann man online surfen. Aber nicht jedes Handy lässt eine ordentliche Nutzung zu. Smartphones bieten da schon ganz andere Möglichkeiten. Die Verbreitung von Smartphones nimmt zu, aber im Moment sind halt noch eine Vielzahl mit herkömmlichen Geräten unterwegs.
5. Geschwindigkeit: Je nach Netzanbieter und/oder Standort kann das surfen zur Qual werden. Schön wer da ein schnelles Wifi im Kaffee nutzen kann. Kann aber nicht jeder. HSDPA steht laut den Anbietern in den Ballungsräumen schon recht flächendeckend zur Verfügung, aber ich ärgere mich über häufige Lücken.
6. Der Preis: Nach einer aktuellen Studie der Fittkau & Maaß Consulting GmbH geht lediglich 1/4 der Handybesitzer mindestens 1 mal pro Woche mobil ins Internet. Über 60% der über 120.000 Befragten, haben nicht vor im nächsten halben Jahr das Web mobil zu nutzen. Hauptgründe: Zu hohe Kosten und zu wenig Komfort.
Wohlgemerkt, wir reden hier von den Menschen, die aktiv auf der Jobsuche sind. Natürlich macht es als Unternehmen Sinn, gerade die direkte Kommunikation zu potentiellen Bewerbern zu nutzen, die das mobile Web bietet. Vor allem in bestimmten Berufsgruppen, die sehr affin für einzelne Dienste sind. Gerade im Bereich des Blogging, Podcast, Video und Social Media bieten sich Chancen des Employer Brandings und dem Anstoßen von Bewerbungsprozessen. Aber damit rechnen, das die potentiellen Bewerber Jobsuchmaschinen, Datenbanken oder gar die eigene Karrierewebsite mit dem Handy ansurfen, sollte man nicht.





























August 14th, 2009 at 14:03
Der Begriff “Ballungsraum” wird von den Anbietern da auch sehr eng ausgelegt.
Schon Aachen ist, was “öffentlichen” WIFI-Zugriff angeht, Diaspora. Wie es mit HSDPA aussieht, weiß ich nicht.
Ich besitze ein SE M600i, also ein Smartphone. Trotzdem macht Internet damit keine Freude, weil für ein bequeme Nutzung der Touchscreen immer noch zu klein ist.
Ich müsste also erstmal in ein entsprechendes neues Gerät investieren und dann noch die derzeitigen Kosten für die mobiele Internetnutzung – ne, lieber nicht.
August 14th, 2009 at 16:36
Wir nutzen in UK fuer unseren Kunden TNT POST mit grossem Erfolg Mobile Response Marketing um neue “Couriers” zu finden – wir mobilisieren Anzeigen, Flyer etc mit Shortcode und SMS Response, das laeuft so gut dass mittlerweile der Kunde schon keine normale Telefonnummer mehr angibt!
Mobile Recruitment ist wie andere Channels auch am effektivsten wenn in traditionalle Marketing Massnahmen eingebunden.
Ansonsten machen Deine Kommentare bzg PC / Mobile Web etc viel Sinn.
August 18th, 2009 at 14:16
Hallo,
also erstmal finde ich den Artikel wirklich interessant und lesenswert!
Meiner Meinung nach ist es richtig das die mobile Jobsuche bisher wenig genutzt wird, was aber auch daran liegen mag, dass die meisten noch keine Internetflatrate für Ihr Mobilfunkgerät haben-aber das wird sich meiner Meunung nach in den nächsten Jahren sicherlich ändern!
MFG. Richard Jelend, Pape Consulting Group AG, Personalberatung
August 19th, 2009 at 10:55
@Richard Ja, das wird sich ändern, aber im Moment ist selbst noch die Flatrate inkl. eines guten Smartphones für die jungen Zielgruppe zu teuer. Wer sich ein iPhone mit Vertrag holt, zahlt richtig Geld dafür. Und selbst bei einem kostengünstigen Mobilfunkanbieter wie Base, kommen da schnell für Flatrate Telefonie und Web, plus Smartphone 65 Euro/Monat zusammen. Das ist noch zu teuer.
November 5th, 2009 at 12:06
Grundsätzlich sind die Argument der Usability und der Kosten natürlich richtig. Allerdings darf man das Mobile Recruiting natürlich nicht als “Entweder-Oder-Lösung” betrachten. Vielmehr bietet es sich auch als Aktivierungselement -oder auch als eine (lang ersehente) Schnittstelle zwischen offline und online Kommunikation (z.B. via Mobile Tagging).
Während der Arbeit und vor dem PC mobil nach einer Stelle zu suchen ist natürlich fern der Realität. Nicht aber die Wartezeit auf oder im Bus mit einer mobilen online Jobsuche zu verbringen. Sind die Seiten mobil optimiert (was sich inzwischen langsam aber sicher verbreitet) ist auch eine entsprechende Darstellung auf “normalen” Handys sowie geringere Ladezeiten und Kosten gewährleistet.
Zum (Desktpo-)Zugang: Laut der JIM-Studie (2008) haben lediglich 55% der 12-19-Jährigen, als Digital Natives und Zielgurppe der qualifizierten Arbeitskräfte von morgen, einen eigenen stationären Internetzugang auf dem Zimmer, ein internetfähiges Handy jedoch 95%. Da scheint die Erweiterung des Personalmarketingmix auf mobile Endgeräte langfristig mehr als konsequent.
Zu Akeztpanz und Anwendungspotenzialen von Mobile Recruiting-Lösungen vgl. auch das Forschungsprojekt ReMoMedia “Recruiting in the Mobile Media” der Hochschule RheinMain http://www.remomedia.de