Schweinegrippe: Was Arbeitgeber und Arbeitnehmer wissen sollten

Mi, Aug 26, 2009

Fit im Job

Sollten sich Unternehmen und Angestellte für die Schweinegrippe vorbereiten oder ist alles nur Panikmache? Ich wollte es genauer wissen. Lesen Sie ein paar Hintergrundinfos zum Virus und die derzeitige Situation. Hören Sie im Podcast wie die Deutsche Telekom mit dem Thema umgeht und was Dr. Bittighofer vom Regierungspräsidium Stuttgart dazu sagt.

Zunächst einmal sei gesagt, Panik braucht momentan keiner zu haben. Aber die sogenannte Schweinegrippe als nichts anderes zu betrachten wie eine übliche Grippe, ist schlichtweg falsch. Und ja, sie birgt Gefahren, aber die weder eintreten müssen noch abzuschätzen sind. Vielmehr geht es darum, ein Unternehmen auf eine Pandemie vorzubereiten. Ob Schweinegrippe oder ein anderes Virus. Hier schlummert ein Risiko für Angestellte aber auch für das gesamte Unternehmen. Oftmals sind es Dinge an die keiner dachte. Vorbereitung heißt deshalb die Devise.

Was genau ist Schweinegrippe?

fragezeichenEs gibt 3 Grundtypen von Viren die Influenza, fälschlicherweise auch Grippe genannt, hervorrufen. Unterteilt werden sie mit den Buchstaben A, B und C. Wobei der Mensch lediglich vom Typ A oder B betroffen ist. Im Fall der Schweinegrippe handelt es sich um den Grundtyp A, der sowohl beim Menschen als auch bei anderen Säugern wie Schweinen oder Pferden vorkommt. Eigentlich ist das Virus Typ A allerdings ein typisches Vogelvirus. Der Virustyp B übrigens, kommt nur beim Menschen vor. Zusätzlich besitzt dieses Virus sogenannte Gensegmente – eben H und N. Von diesen Gensegmenten gibt es jeweils 8 Stück, die wiederum in verschiedensten Kombinationen auftreten können. Also H3N2 oder H2N2 etc. Im aktuellen Fall ist es die Kombination H1N1. Das sogenannte Schweinevirus heißt somit A/H1N1.

Vom Schwein zum Mensch

Das Schwein hat Rezeptoren für Influenzaviren des Menschen und der Vögel. Dadurch kann es zu genetischen Vermischungen kommen. Genau das ist im Fall der sogenannten Schweinegrippe geschehen. Der Ansteckungsweg vom Schwein auf den menschen und anschließend von Mensch zu Mensch ist selten. Auch bei den großen Influenza-Pandemien im letzten Jahrhundert, war dies so. Die bekannten Influenzaviren verändern sich ständig. Deswegen gibt es auch jedes Jahr eine angepasste Impfung. Auch besitzen viele Menschen Antikörper von ähnlichen Influenzaviren, die den Erkrankungsverlauf abschwächen. Im Fall der Schweinegrippe jedoch, dem Typ A/H1N1, besitzt kaum ein Mensch Antikörper und eine zugelassene Impfung gibt es bis jetzt noch nicht.

Die jährliche Influenza

Jedes Jahr erkranken 10 bis 20% der Bevölkerung an einer Influenza A oder B. Die Sterberate variiert ebenso wie das Virus. Mal ist die Rede von 16.000 Menschen in 2003, dann wieder von 20 in anderen Jahren. Da es sich bei der Schweinegrippe aber um ein neues Virus handelt, weiß man nicht, wie der Verlauf sein wird. Die erste Welle die wir jetzt erleben ist schwach. Die zweite zu erwartende Welle im Winter könnte dagegen anders ausfallen. Es kann also durchaus sein, dass die Schweinegrippe nicht schlimmer verläuft, als bisherige Influenzawellen. Es gibt aber ein paar Punkte warum die WHO so vorsichtig ist:

  1. Das Virus trat außerhalb der normalen Grippezeit auf
  2. Das Virus befällt gleichwertig auch untypische Personengruppen
  3. Es ist ein für den menschlichen Körper meist unbekanntes Virus
  4. Die Gefahr der zusätzlichen Mutation ist gegeben
  5. Die nahe Verwandschaft zu Virentypen die Pandemien auslösten

Arbeitgeber in der Pflicht?

Jährlich infizieren sich also 800.000 bis 1,2 Millionen Menschen. Genau so viele Krankheitstage entstehen bei einer typischen Influenzawelle. Nämlich bis zu 1,2 Millionen. Bei einer echten Pandemie, die vor allem die Jüngeren und Gesunden trifft, würde sich dies vervielfachen können. Unter Umständen eine Katastrophe für die Unternehmen. Abgesehen davon, dass es eine Fürsorgepflicht für Unternehmen gibt. Was aber kann ein Unternehmen machen, um sich auf ein eventuelles Ausbreiten des Virus vorzubereiten?

Ich habe dazu Frau Anne Wenders, die Pressesprecherin von der Deutschen Telekom befragt, die einen Einblick in die Planungen und Umsetzung in dem Groß-Unternehmen gibt. Außerdem habe ich mich mit Dr. Peter Michael Bittighofer unterhalten, dem leitenden Medizinaldirektor des Regierungspräsidiums Stuttgart, Berater des Katastrophenamtes in Bonn und Mitautor des “Handbuchs für betriebliche Pandemieplanung” befragt.” Nehmen Sie sich die Zeit für das Interview. (Wenn es nicht startet weil auf Ihrem Rechner kein Quicktime installiert ist, findet sich am Ende des Artikels ein integrierter Player)

interview-schweinegrippe

Wie können sich Unternehmen vorbereiten?

Die Information der Arbeitnehmer ist zunächst einmal der wohl wichtigste Punkt. Beim Bundesamt für Bevölkerungsschutz und Katastrophenhilfe (BBK) kann man den Leitfaden “Influenzapandemieplanung für Unternehmen” herunterladen. Sehr zu empfehlen ist vor allem das etwas ausführlichere pdf Handbuch mit dem passenden Namen “wegen Krankheit vorübergehend geschlossen“. Ich habe selbst bei einigen Herstellern von Masken und Desinfektionsmitteln nachgefragt, wie die Lieferzeiten sind. Oftmals muss man momentan bis zu 6 Wochen einkalkulieren. Keine Probleme gibts bei Kleinmengen in der Apotheke für Einzelpersonen. Aktuell kann man sich übrigens über die Zahl der Infizierungen in Deutschland hier informieren. Außerdem hat das Robert-Koch-Institut ein Menge an Infos zur Verfügung gestellt. Ein guter Einstieg findet sich hier.

Die aktuelle Situation

Ich habe die Zahlen der in Deutschland bekannten Infektionen mit dem A/H1N1 Virus mal grafisch zusammengefasst. International lag die Zahl der Erkrankten nach Angaben der WHO bis zum 13. August 2009 bei 182.166 Infizierten und 1.799 Toten.

statistik-ah1n1-virusDie WHO stuft die Pandemie als moderat ein, sagt aber auch, dass eine weltweite Ausbreitung des Virus nicht zu stoppen ist. Laut dem Paul-Ehrlich-Institut scheint es jedoch gesichert, dass das Virus allgemein zu leichten Erkrankungsverläufen führt. Allerdings führt das Virus bei Schwangeren und jungen, chronisch kranken Menschen zu schwereren Verläufen und einer höheren Sterberate. Hier nachzulesen. Als Reaktion darauf, werden in NRW nun Ärzte und Kliniken angehalten, schwangere Mitarbeiterinnen frei zu stellen.

Was meinen andere?

Ich habe im Zuge der Recherche für den Artikel eine kleine Umfrage über Twitter, dem Personalernetzwerk hrm.de und XING gestartet. Die Teilnahme viel mager aus mit 72 Stimmen und ist in keinerlei Weise repräsentativ. Allerdings sagen rund 27% der Teilnehmer, dass im Unternehmen schon über Maßnahmen nachgedacht wird. Die Mehrzahl jedoch (41%) sagt,dass es noch kein Thema im Unternehmen ist:

In der Regel reagierten die Befragten ziemlich genervt auf das Thema und taten es eher als Zeitverschwendung oder als Idee der Pharmakonzerne ab, die die Schweinegrippe aufbauschen um mit den Medikamenten und Impfungen mehr Geld zu verdienen. Hier ein paar Auszüge aus den Antworten:

reaktionen-schweinegrippe

Mein Fazit

Egal was man als Einzelner für eine These vertritt. Als Unternehmen ist man auf jeden Fall gefragt, wenn es um die Pandemieplanung geht. Egal wie sich diese Pandemie entwickelt, gewappnet sollte man als Unternehmen sein und sich mit diesem Thema beschäftigen. Und als Kollege sollte man auch bei Skepsis an die anderen Kollegen denken. Vielleicht machen die sich Sorgen. Da kommt ein: “Hab Dich nicht so” nicht gerade gut an. In dem Sinne, bleiben Sie gesund!

+++++++HINWEIS+++++++

Der Autor ist weder Arzt noch besitzt er eine medizinische Ausbildung. Alle hier getroffenen Aussagen sind ohne Gewähr und sind nicht als ärztlicher Rat gedacht oder zu nutzen. Sollten Sie Fragen zur Influenza A/H1N1, der sogenannten Schweinegrippe haben, wenden Sie sich bitte an Ihren Arzt.

 
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Ich heiße Thorsten zur Jacobsmühlen bin freier Recruiting Stratege, Social Media und HR-SEO Evangelist, Autor und Blogger. Ich berate Unternehmen im strategischen Aufbau modernster Methoden im Recruiting. Seit über 10 Jahren im e-Recruiting tätig und seit 1994 im Web.Weitere Infos über die Autorenseite

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