Warum LinkedIn den Wettbewerber XING eigentlich kaufen muss

Schon seit Sommer hört man aus den Staaten immer wieder, dass LinkedIn mit Sorge auf den deutschen Wettbewerber XING schaut. Dies ist ja auch mehr als berechtigt. Die einzige Möglichkeit für LinkedIn im europäischen Markt den Ton anzugeben, ist eigentlich der Kauf von XING.

Neues Recruiting Tool bei XING

Seit gestern weiß ich, dass XING durch weitere Tools, Kunden für den Recruiting Markt gewinnen möchte. Dazu werden Personaler/Headhunter zukünftig über erweiterte Such- und Kontaktfunktionen verfügen können, wenn sie dieses Tool buchen. Kontakte sollen dann gezielter durchsucht werden können und die Kontaktmöglichkeit pro Tag soll sich verdoppeln.

Damit nähert sich XING in der Geschäftsausrichtung und funktionell, dem größten Business Network LinkedIn. Sicherlich ist es kein Zufall, wo doch gerade heute auf der Zukunft Personal, die Recruiting Lösung namens “Talent Advantage” von LinkedIn, für den deutschen Markt vorgestellt wird.

Schwer für LinkedIn den Fuß auf Europas Festland zu setzen

Der Gigant mit seinen nun 47 Millionen Mitgliedern, versperrte XING den amerikanischen Recruiting Markt für Networks, da die Hälfte der User dort beheimatet ist und man den Personalern in den USA nicht mehr mit kleinen Mitgliederzahlen kommen braucht. Umgekehrt, ist es in Europa eben XING, welches die Nase vorn hat. Deutschland, der größte Recruiting Markt Europas, Österreich, Spanien und Italien – alles durch XING besetzt. Auch das Network-Boom-Land Türkei, wird von den Hamburgern fleißig beackert.

Kein Platz bleibt mehr für ein zweites Network. Das weiß auch LinkedIn. Man wird es versuchen, aber schon wissen wohin die Bestrebungen gehen. Gerade Deutschland, dort wo der höchste Umsatz im Recruiting gestemmt wird, ist ein eingefahrener Markt. Die lieben Personaler wissen zwar die Möglichkeit des internationalen Recruitings zu würdigen, verlassen sich aber doch am liebsten auf den deutschen Markt wenn sie suchen. Und da hat XING eben die User auf seiner Seite.

Eigentlich macht nur der Kauf wirklich Sinn

Beide Networks setzen verstärkt auf das Recruiting und bauen dieses sukzessive aus. LinkedIn muss aber auf den deutschen Markt um in Zukunft Gewinn zu erwirtschaften. Ein lange währender Kampf um User macht keinen Sinn. Dass käme beiden zu teuer und der Ausgang wäre völlig ungewiss. Eigentlich macht nur eines Sinn: Der Kauf von XING durch LinkedIn.

Im Moment dürfte XING einen Börsenwert von rund 174 Millionen Euro darstellen. Das bei einem Kurs von 33 Euro. Selbst wenn LinkedIn den Aktionären 40 Euro je Aktie anbieten würde, reden wir über einen Preis von rund 210 Millionen Euro. Für ein Unternehmen wie LinkedIn durchaus im Machbaren.

Aktivitätsmöglichkeiten entscheidender Faktor

Bisher galt immer ein gewisser Qantitätsanspruch. Wer erheblich mehr User in einem Land vorzuweisen hatte, galt als Platzhirsch. Dort Marktanteile aus der zweiten Startreihe zu gewinnen, war immer schon schwer. Wie ich oben schrieb, versperren sich bis dato die Networks so die Wege. Es kann nur immer einen ersten Platz geben. Allerdings wandelt sich auch die Userschar. Denn die gehen dorthin, wo ihnen etwas geboten wird. XING müht sich redlich und in meinen Augen auch sehr erfolgreich, sich durch Apps attraktiver zu gestalten und Mehrwert zu bieten.

Bei LinkedIn vermisse ich dies mittlerweile. Hier zu langsam zu agieren, kann wiederum einen ganz anderen auf den Plan rufen. Keiner wandelt sich so schnell wie Facebook im Moment. Die Strategie ist einfach: adaptiere und kopiere alles was die Usermasse attraktiv findet, und biete es auf einer Plattform. Da wird ein geschmeidiges Recruiting Tool zwangsläufig auch mal bei Facebook auftauchen. Und dann? Dann spielt es keine so große Rolle mehr ob XING gekauft wurde, wenn LinkedIn sich nicht langsam erneuert und mehr bietet. Wenn LinkedIn Xing einverleiben würde, täte es gut daran dessen Kleider zu tragen. Also die Technik und Funktionsvielfalt von XING zu übernehmen und nicht umgekehrt.

Bookmark den Artikel: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste bei denen Nutzer neue Inhalte finden und mit anderen teilen können.
  • Tausendreporter
  • Google Bookmarks
  • TwitThis
  • MisterWong
  • Technorati
  • Y!GG
  • Webnews
  • Digg
  • del.icio.us
  • LinkedIn
  • MySpace
  • Infopirat
  • Bloglines
  • YahooBuzz
  • email
, , ,

Der Artikel wurde geschrieben von:

- hat 800 Artikel geschrieben auf blogaboutjob Jobs Karriere Recruiting Arbeit.

Ich heiße Thorsten zur Jacobsmühlen bin freier Recruiting Stratege, Social Media und HR-SEO Evangelist, Autor und Blogger. Ich berate Unternehmen im strategischen Aufbau modernster Methoden im Recruiting. Seit über 10 Jahren im e-Recruiting tätig und seit 1994 im Web.Weitere Infos über die Autorenseite

Kontaktiere den Autor

3 Kommentare dazu:

  1. Andreas sagt dazu:

    Facebook hat ganz gut gezeigt, dass man es auch organisch in einem kompetitiven Markt wie DE schaffen kann. Vor 18 Monate war die allgemeine Meinung in Deutschland auch noch, dass die Amerikaner nie an StudiVZ vorbei kommen und wer spricht heute überhaupt noch von VZ’s?
    Hinzu kommt, dass die Nutzerbasis von XING gar nicht so unerreichbar ist. Laut Geschäftsbericht ( http://corporate.xing.com/deutsch/investor-relations/berichtepraesentationen/ ) 7,91 Mio in Europa und davon 2,83 Mio in Deutschland – das sind viele, aber nicht unüberwindbar viele. Wenn LinkedIn nun tatsächlich 210 Mio zahlen würde und man von einer eine Plattform Lösung ausgeht, sind das rund 26 Euro pro Nutzer. Für das Geld sollte man doch sicherlich auf ein paar gute Ideen kommen, die LinkedIn organisch voran bringen.

  2. Stephan Koß sagt dazu:

    Hallo Thorsten,

    warum hätte LinkedIn das tun sollen?

    a) Das Wachstum in D ist so schon beachtlich
    b) Der Preis von Xing ist hoffnungslos überbewertet (na ja, er bereinigt sich ja gerade. Burda hat 46 € gezahlt, bald sind wir in drei Monaten bei der Hälfte angekommen). Ausserdem: Wenn man bei Xing den Umsatz/Gewinn in Relation zur Aktie stellt, so ist ein Sparbuch bei der heimischen Sparkasse sinnvoller
    c) Mangelnde Migrationsfähigkeit: Die Daten können kaum migriert werden, da diese bei Xing nicht so gepflegt sind (Keine Angaben zur Qualität des Kontaktes etc.)

    Im Gegensatz hierzu muss man immer die Opportunitätskosten betrachten: Was kann man für das Geld nicht alles sinnvolles tun (wie zum Beispiel die Repräsentanz in den Niederlanden).

    Auch technisch scheint sich de Kluft immer weiter auseinanderzugehen:

    http://linkedinsiders.wordpress.com/2010/01/28/ergonomieweb20/

    Liebe Grüße
    Stephan

  3. Thorsten sagt dazu:

    Hallo Stephan, da habe ich mich schlicht geirrt. Und mittlerweile ist es eine alte Kamelle. Zu dem Zeitpunkt wurde schon geredet, das Anteile von XING verkauft werden. Das mit den gleichzeitigen Bemühungen von LinkedIn auf dem deutschen Markt. Ein Kauf wäre also zu dem Zeitpunkt, vor allem bei den Barreserven von LinkedIn, kein Ding der Unmöglichkeit. Konstantin hat das Thema ja ausführlich dargelegt.

1 Trackback für diesen Artikel

  1. Mitgliederzahlen von LinkedIn sagt dazu:

    [...] abhaben möchte. Und ich bleibe dabei. Um den Markt in Deutschland als Nr. 1 anführen zu können, muss man schon XING kaufen. Aller Wachstumszahlen zum Trotz. Bookmark den Artikel: Diese Icons verlinken auf Bookmark Dienste [...]

Schreibe Deine Meinung