Zwei Gesichter sollst du haben

Mi, Dez 23, 2009

Ratgeber

Totalverweigerer von Social-Media-Diensten haben es ja schon immer gewusst. Und selbst unter den aktiven Nutzern gibt es diese Ansicht: Social Media macht uns zum gläsernen Menschen und können sogar asoziale Auswirkungen haben.

social_media_glaesernFutter für die Gegner von Social Media Angeboten liefert die Presse genügend. Der Telegraph berichtet, dass sich bei Scheidungsanträgen, die bei einem Anbieter für online Scheidungen eingereicht werden, 20% auf Facebook berufen. Nicht selten findet man anscheinend über Social-Media-Dienste mehr über den Partner heraus, als eine Beziehung tolerieren kann.

Werden wir zu Glas?

Wenn ich Unternehmen im Gebrauch von Social Media berate, habe ich es oft mit Personalern zu tun, die sich Social Media am liebsten verweigern möchten. Und wenn man als Personalabteilung nun mal nicht um die Social-Media-Nutzung herum kommt, so verweigern sich doch nicht wenige privat dagegen. Das Hauptargument: Man mache sich gläsern. Und das möchte man nicht.

Aber auch für so manchen Bewerber gilt, dass diese sogar Angst haben, dass der Twitter Account oder die Facebook Seite sogar schädlich sein könnte. Frei nach dem Motto, wenn einem die Urlaubsbilder sogar um den Traumjob bringen können, nur weil man ein Bier in der Hand hält, dann lass ich es lieber direkt ganz bleiben.

Es ist so einfach

Ich wundere mich immer wieder darüber, wie kompliziert doch der Mensch tickt und das Offensichtliche mit einer unglaublichen Regelmäßigkeit übersieht. Social Media ist nichts anderes als die Abbildung des realen Lebens. Zugegeben, startet man mit einem Profil, macht man zunächst das Naheliegendste. Man sucht nach den Menschen, die man schon kennt. Die Intuition Social Media zu nutzen, ist meist privater Natur. Erst im zweiten Schritt werden meist neue Kontakte geknüpft.

Und damit beginnt das Dilemma. Privates und Öffentliches werden vermischt. Nicht Social Media macht gläsern, sondern der unbedarfte Umgang damit, also der Nutzer selbst. Die Lösung ist so simpel wie einleuchtend:

Man legt sich einen privaten und einen öffentlichen Account an

Keiner von uns zeigt sein wahres Ich vor Unbekannten oder im öffentlichen Rampenlicht. Das ist kein Schauspiel sondern einfach klug. Jeder Mensch versucht sich dort von seiner besten Seite zu zeigen, wo es ihm klare Vorteile verschaffen oder hinterfragt werden kann.

So geht es

  1. Öffentlicher Account möglichst mit echtem Namen anlegen, so dass in der URL dieser erscheint (Beispiel: twitter.com/jacobsmuehlen oder facebook.com/jacobsmuehlen). Wenn jetzt jemand nach dem Namen googelt, werden die öffentlichen Profile angezeigt.
  2. Private Accounts können entsprechend Phantasienamen enthalten. Diesen Account gibt man eben an seine Freunde weiter und baut sich sein privates Netzwerk auf.
  3. Nutzen Sie niemals echte Namen um private Bilder zu beschreiben bzw. mit einem Titel zu versehen, der Ihren Namen enthält.
  4. Alle offiziellen Fotos von Ihnen wiederum, wie Profilfotos der öffentlichen Accounts, benennen Sie bitte beim abspeichern mit Ihrem echten Namen.

Was passiert

Wenn zukünftig jemand Ihren Namen googelt, findet er in den Ergebnislisten Ihren öffentlichen Account. Das hängt mit den Vanity URL´s im Idealfall zusammen. Wenn jemand dann noch auf die Bilderfunktion bei Google klickt, bekommt er, vorausgesetzt Sie benennen nur die öffentlichen Fotos mit Ihrem Namen, eben nur diese zu sehen. Sie können auch einen öffentlichen Flickr Account anlegen. In solch einem online Bilderdienst schaufeln Sie einfach Bilder, die Sie öffentlich machen können und benennen Sie diese mit Ihrem Namen. Wenn jetzt jemand nach Ihnen sucht, bekommt er eine Vielzahl von gewünschten Bildern zu sehen. Somit kann man seine öffentliche Reputation lenken. Sensibilisieren Sie auch Ihre Freunde und Bekannten, dass man zukünftig keine Klarnamen nutzt, um Fetenfotos zu beschreiben. Was Sie nun in Ihrem privaten Account anstellen, bleibt somit auch privat.

Jeder Politiker und jeder Star und Sternchen macht das so. Man steuert die öffentliche Meinung über die eigene Person. Ab heute machen Sie das auch.

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Der Artikel wurde geschrieben von:

Thorsten - hat 726 Artikel geschrieben auf blogaboutjob Jobs Karriere Recruiting Arbeit.

Ich heiße Thorsten zur Jacobsmühlen bin freier Recruiting Stratege, Social Media und HR-SEO Evangelist, Autor und Blogger. Ich berate Unternehmen im strategischen Aufbau modernster Methoden im Recruiting. Seit über 10 Jahren im e-Recruiting tätig und seit 1994 im Web.Weitere Infos über die Autorenseite

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3 Kommentare dazu:

  1. Michael Kieweg sagt dazu:

    Das ist Alles richtig und sollte tatsächlich selbstverständlich sein.
    Zwei Klippen bleiben aber und ich wüßte nicht, wie ich sie umschiffen könnte.

    1. Leute, die wissen wer ich bin, ohne daß ich Einfluß auf sie und ihr Verhalten habe.
    Ich habe kaum eine Möglichkeit, zu verhindern, daß diese Leute, auch ohne böse Absicht, Bilder oder Texte in das Netz stellen, die mir schaden.

    2. Namensgleichheit - wenn ich mich im Netz google, finden sich unter “meinem” Namen eine Menge Aktivitäten, die überhaupt nix mit mir zu tun haben. Zum Glück sind sie meist unbedenklich.

    Diese beiden Faktoren können sehr wohl dazu führen, daß ich bspw. bei Bewerbungen oder Ausschreibungen nicht berücksichtigt werde. Ich habe dann meistens nicht einmal die Möglichkeit der Richtigstellung, da ich ja üblicherweise nicht erfahre, warum ich nicht in die engere Wahl kam.

  2. Tom sagt dazu:

    Zu spät, denn viele haben gar nicht mehr die Möglichkeit das zu trennen, denn es ist schon seit Monaten oder Jahren gemischt.

    Oder man muss nochmals von vorne anfangen :-)

    Manchmal denke ich auch, dass wir zuviel vernetzt sind, und nicht jeder will immer diese ” doofen ” Farmville und “Mafiawars” Updates haben, die dann jeder “Bekannte” bei Facebook immer bekommt.

    Ich bin gespannt wo das hinführt!

  3. Clemens sagt dazu:

    Danke für diesen Artikel. Die Mehrheit der Menschen scheint so zu ticken: es ist gefährlich, sich zu einem gläsernen Menschen zu machen. Von gläsernen Unternehmen mal ganz abgesehen wie aktuelle Diskussionen um social media policies zeigen.

    Von Social Media überzeugen, habe ich gemerkt, funktioniert nicht recht. Die Erfahrung muß man selbst machen. Also ausprobieren. Die erste Hürde für viele, da die Privatsphäre als ein hohes Gut angesehen wird und der Prozess mit Kontrollverlust einhergeht. Mit Phantasienamen und ungetaggten Fotos kann man sich jedoch recht sorglos bewegen.

    Wenn ich nicht in die engere Bewerberauswahl gezogen werde, weil ich auf einem Foto vermeintlich mit “Bier in der Hand” erkannt werde, möchte ich für das betreffende Unternehmen nicht arbeiten. Auch dann, wenn nicht ich sondern ein Namensvetter abgebildet ist. Es deutet auf eine restriktive und aufgesetzte Unternehmenskultur hin. Alles nicht gut für das Arbeitsklima.

    Wenn man davon ausgeht, dass die Mehrheit der Mitarbeiter in einem Unternehmen die Unternehmenskultur konstituieren und jeder dort tätig ist wo man sich beruflich wohlfühlt so sollte sich eine social media Strategie mehrheitlich an der Einstellung der Mitarbeiter zu sozialen Medien und Netzwerken orientieren und nicht etwa von oben verordnet werden.

1 Trackback für diesen Artikel

  1. Tweets die Social Media macht Nutzer gläsern | reputation, Social Media, Tipps | blogaboutjob Jobs Karriere Recruiting Arbeit erwähnt -- Topsy.com sagt dazu:

    [...] Dieser Eintrag wurde auf Twitter von T. zur Jacobsmühlen, Familienunternehmer erwähnt. Familienunternehmer sagte: Gute Hinweise RT @jacobsmuehlen S M lässt den User gläser werden. Stimmt, wenn man nicht an die einfachste Regel denkt http://bit.ly/63LtIC [...]

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