Nach wie vor höchst beliebt und viel genutzt. Foren sind die Vorläufer der heutigen Social Networks. Aber wer glaubt, dass sich diese überholt haben der irrt. Sie spielen nach wie vor eine wichtige Rolle. Zur Geschichte und der Zukunft von Internetforen und warum Unternehmen sich das mal ganz genau anschauen sollten.
Schon in den 80ern des letzten Jahrhunderts nutzen IT Fans die Möglichkeit einzelne Rechner miteinander zu verknüpfen. Die sogenannten Bulletin Boards Systems, wurden durch eine oder mehrere Personen, die als Administrator dienten, überwacht. Die Nutzer konnten sich gegenseitig Nachrichten zusenden und in Foren diskutieren. Alles noch ohne das WWW, also World Wide Web. Und Monochrom, also mit weißer oder grüner Schrift auf schwarzem Grund.
1990 ging der erste, kommerzielle Internetprovider an den Start. Aber erst 1993 begann der Siegeszug des Internets damit, dass mit dem Mosaic, dem ersten Browser der auch Bilder und nicht nur Text darstellen konnte, das surfen bunt wurde. 1994 folgte dann der Netscape Navigator. Gerade die Kommunikation der weltweit tätigen Programmierer und Administratoren war natürlich immer mit von der Partie. Für die meisten unsichtbar in sogenannten Groups, die nun jedermann einfach anlegen konnte. Dort wurden dann Themen diskutiert, es konnten Fragen gestellt werden usw. Alles meist spartanisch. Der ITler brauchte vor allem eins: Infos.
In diese Groups konnte man nun auch als “Außenseiter” einsteigen. Das bot auch unglaublich gute Chancen für Arbeitgeber, nach passenden Kandidaten im IT Sektor zu suchen. Die Zielgruppe knubbelte sich ja sozusagen in den jeweiligen Themengroups. Es sprach auch nichts dagegen, einen offenen Job direkt dort anzubieten. Dabei wurde auch die Netikette geboren. Denn gerade Außenseiter mussten lernen, wie man sich denn bitte dort zu benehmen hat.
Die erste Forensoftware ließ dann nicht lange auf sich warten. Damit wurde aus den versteckten Groups ein öffentliches Forum, dessen Bestreben zumeist war/ist, gefunden zu werden und so viele Menschen wie möglich mit den gleichen Interessen zusammen zu bringen.
Die Jungen kennen es nicht mehr
Nach einem von mir kürzlich gehaltenen Vortrag vor Personalern ist mir aufgefallen, dass manch Nachwuchskraft im Personalbereich mit dem Begriff “Online-Forum” nichts anfangen konnte. Eigentlich kein Wunder. Waren Foren Ende der 90er Jahre wohl fast jedem Unser bekannt, hat sich die allgemeine Wahrnehmung auf dieses Kommunikationswerkzeug stark geändert. Immerhin ist die Hochzeit der Foren nun fast 10 Jahre her. Wer heute mit 26 Jahren als Referendar in der Personalabteilung sitzt, war damals zarte 16.
Spätestens aber mit dem Einzug der sogenannten Web 2.0 Dienste, den Networks, wurde das klassische Forum nicht mehr so richtig wahrgenommen. “Sogenannt” deswegen, da ich den Begriff Web 2.0 für völlig unsinnig halte. Denn eigentlich gab es das Mitmachnetz durch solche Groups schon seit den Ursprüngen des Webs. Facebook, LinkedIn, XING und Co sind so betrachtet lediglich eine Weiterentwicklung der Foren und diese waren wiederum eine optische Verbesserung der guten alten Groups. Und das machte vor allem eins möglich. Die Massennutzung die wir jetzt erleben. Nicht zuletzt durch verbesserte Endgeräte. Vor allem aber durch offene Schnittstellen und offene Codes, die es jedem, der etwas von Programmierung versteht, ermöglichen, selbst Hand anzulegen und die Dienste durch Erweiterungen, sogenannte Applikationen - also Apps- zu erweitern. Aber zurück zu den Foren.
Foren sind nicht out!
Das merken Sie spätestens dann, wenn Sie in Google nach den Ursachen Suchen, die dafür verantwortlich sein könnten, dass Ihr Auto von selber aus geht, wenn der Motor warm wurde. Oder auf unser Thema bezogen, Sie wollen wissen was der Chef mit seinen Sätzen im Arbeitszeugnis sagen möchte. Sie werden bei der Suche vermutlich ziemlich schnell auf Einträge in Foren stoßen, die sich mit dem Thema beschäftigt haben bzw. sich noch damit beschäftigen.
Das Sie diese Einträge ziemlich weit oben finden liegt einfach daran, dass die Suchmaschinen Foren richtig gerne haben. Dort werden bestimmte Grundvoraussetzungen erfüllt, die eine Website, und das ist auch ein Forum letzten Endes, erfüllen sollte um für Google, Bing und Konsorten attraktiv zu sein, um damit ziemlich weit oben in den Suchergebnislisten (SERPS) zu erscheinen. Das sind unter anderem Dinge wie ewig frische Inhalte (Content). Dieser ist meist einmalig, taucht also so nicht woanders auf und ist prima strukturiert, was es den Suchmaschinen wiederum einfach macht.
Foren sind Werkzeuge
Content ist ein Zauberwort. Content, Content und Content heißt eine der Grundregeln für eine Website die gefunden werden will. Und damit tun sich die meisten Websites der Unternehmen und vor allem die Karrierewebsites schwer. Da ist vieles zumeist statisch. Nur alle paar Monate oder manchmal gar alle paar Jahre, ändern sich relevante Inhalte zu Themen die Menschen im Web suchen. Zumeist fehlt aber selbst das. Und somit hat man vielleicht ein paar schöne Webseiten und klopft sich gegenseitig auf die Schulter wie toll das doch aussieht und jeder kann da ja alles was er braucht finden….ja, wenn das Wörtchen FINDEN eben nicht wäre.
Die wenigsten Unternehmen haben ein Corporate Weblog. Also ein Blog wie dieses hier, wo man Beiträge hineinschreibt, die dann eben auch aufgrund des ständig neuen und erweiterten Contents, oben in den Suchmaschinen gefunden wird. Noch weniger Unternehmen nutzen die Möglichkeit ein Weblog nur für den Bereich Karriere zu führen. Und die eigenen Website steht eben bei Suchergebnissen zum Thema auf Seite 25 oder sogar nirgendwo. Was nicht selten vorkommt. Aber woran scheitert es meist, dass hilfreiche Dienste wie Foren und Blogs nicht genutzt werden?
Wir haben doch keine Zeit
Ein Argument was man immer wieder hört. Wer soll den das Weblog mit Leben füllen? Wer soll den bitteschön twittern und wer die Facebook Seite pflegen? Ja, und die Personaler haben Recht. Mal eben nebenbei ist das nicht zu bewältigen. Wenigstens dann nicht, wenn man es richtig machen möchte und Erfolg erzielen muss. Was hat das aber mit den Foren zu tun? Viel, denn hier liegt eine weitere Möglichkeit, die leider all zu häufig in Vergessenheit geraten ist.
Foren werden durch andere mit Inhalten, also Content gefüllt. Bequemer geht es nicht. Ein gutes Beispiel dafür in der Branche ist das Arbeits-abc, welches unter anderem ein Forum beinhaltet. Alles eher auf den Blue Collar Arbeitsmarkt fokusiert, zeigt es wunderbar wie so etwas ablaufen kann. Seit Oktober 2008 haben User fast 70.000 Artikel eingestellt. Das ist ein Zeitraum von eineinhalb Jahren! Vorteil eines solchen spezialisierten Forums ist, dass die User immer wieder die gleichen Fragen in abgewandelter Form stellen und diskutieren. Denn mal unter uns, trotz der tausenden Bewerbungsratgebern wissen wir doch alle, das die Fragen eigentlich immer wieder die gleichen sind. Die Antworten übrigens auch.
Damit steigt natürlich die Möglichkeit enorm, dass ein Artikel zum Thema Bewerbung von denen gefunden wird, die sich dafür interessieren. Jetzt stellen Sie sich mal vor, dass ist Ihr Forum. Na, klingelt es? Der Witz dabei ist der, dass der Betrieb nicht ganz so aufwendig ist, wie man vielleicht denkt. Es geht nicht ohne, aber es hält sich in Grenzen. Per Moderator-Funktionen werden einkommende Nachrichten überwacht und gegebenenfalls moderiert. Bei unerwünschten Einträgen kann man sofort reagieren. Wichtig zu wissen: Für die Einträge anderer haftet man als Betreiber natürlich auch. Die Faustregel dazu lautet: Nach Kenntnisnahme muss man diese Einträge innerhalb von 24 Stunden entfernen.
Vorteil für ein Unternehmen und für Bewerber
Nur ein paar der Möglichkeiten die ein selbst betriebenes Forum ermöglichen:
- Einträge aus dem Forum werden in den Suchmaschinen besser gefunden
- Dadurch können Besucher angelockt werden, die man sonst nie erreicht hätte
- Man macht somit auf sich als Unternehmen/Arbeitgeber aufmerksam machen
- Es können einzelne Foren zu bestimmten Interessensgebieten aufgebaut werden, die damit Zielgruppenansprache ermöglichen
- Jobangebote können dort exklusiv platziert werden um so latent/passiv Suchende anzusprechen
- Wenn eine Anmeldefunktion besteht, kann man User die interessant zu sein scheinen über eine Benachrichtigungsfunktion ansprechen
- Bewerbern kann die Chance geboten werden, sich zum Beispiel an Problemstellungen zu beteiligen (Beispiel: Sie machen eine Projekt öffentlich und bitten die User um Mithilfe). Bewerber können sich mit Mitarbeitern direkt austauschen und Fragen auch zum Unternehmen und der Aufgabe stellen
” Wat nix kost, dat es och nix” gilt schon lange nicht mehr bei kostenlosen Programmen. Das gilt auch für Forensoftware. Neben Varianten für die man bezahlen muß, gibt es eine Vielzahl von kostenloser Forensoftware. Eine kleine Liste gibt es hier. Wer sich mit dem Gedanken anfreunden kann ein Forum zu betreiben, muss sich jetzt nicht die Haare raufen wegen der eigenen IT, die aus Sicherheitsbedenken sowieso meist “Njet” sagt.  Für monatlich um die 5 bis 10 Euro bekommen Sie ausreichenden Webspace inklusive unbegrenztem Datentransfer. Von dort aus, kann man bequem auf die eigene Karrierewebsite, das eigene Weblog, die Social Media Auftritte usw. verlinken. Foren haben also nicht nur eine Daseinsberechtigung, sondern erweitern die Palette rund um die eigene Website und die Social-Media-Auftritte.






























März 26th, 2010 at 14:03
Passend zu “Wir haben doch keine Zeit” ist dieser Beitrag: http://www.humanresourcesonline.net/news/18493
Mehr als 3 Stunden pro Woche verbringt HR im Schnitt im Mitmach-Netz.
März 27th, 2010 at 16:05
Hallo Torsten,
vielen Dank für deine lobenden Worte zu unserem Forum, wir haben uns sehr darüber gefreut!
Denjenigen, die daran interessiert sind ein Forum zu starten, möchten wir noch ein paar ganz grundlegende Dinge ans Herz legen, die einfach wichtig sind, damit ein Forum dauerhaft gut läuft. Das A und O ist zuerst einmal, dass die Mitglieder auf ihre Fragen hilfreiche Antworten erhalten. Sinnloses Blabla hilft niemanden weiter und macht auch keinen guten Eindruck auf die stillen Mitleser, die der Community schließlich einmal betreten sollen. Als Betreiber sollte man mit der Thematik des Forums selbst vertraut sein und natürlich auch Freude daran haben, anderen Menschen zu helfen. Damit es wächst und sich die Mitglieder wohl fühlen, ist es außerdem besonders wichtig, dass ein vernünftiger Umgangston herrscht und die Threads sauber gehalten werden. Zu den regelmäßigen Aufgaben eines Forenbetreibers gehört es deshalb gemeinsam mit den Moderatoren dafür zu sorgen, dass das Forum nicht als Mülleimer für Spam missbraucht oder von Besserwissern und Streitsüchtigen regiert wird. Die Kunst liegt einfach darin, Menschen dazu zu animieren, sich freiwillig zu engagieren und dauerhaft zu binden. Wer seine Sache gut macht, der darf sich über schnellen Mitgliederzuwachs freuen und wird mit Dank und Anerkennung belohnt.
An dieser Stelle ein großes Dankeschön an alle unsere Moderatoren und fleißigen Schreiberlinge, die maßgeblich dazu beitragen, dass unser Forum so gut funktioniert (wir hoffen das ist gestattet!).
Viel Erfolg und beste Grüße vom gesamten Arbeits-abc.de Team!
März 27th, 2010 at 20:00
Foren sind gerade bei Spezialthemen immer noch sehr in. Für mich ist z.B. Gutefrage.net auch nichts anderes wie ein Forum, auch wenn es gerne als Community verkauft wird. Denke die Unterschiede sind hier sehr fliessend.
April 7th, 2010 at 13:48
Ich nutze nach wie vor Foren, ganz besonders im Bereich der Programmierung und ich sehe auch, dass - zumindest die gut moderierten - nach wie vor sehr lebendig sind. Sie leisten etwas, das ein Blog so einfach nicht leisten kann.
Bei einem Blog drücke ich als Poster meine Meinung aus oder ergänze evtl. den Beitrag inhaltlich, in einem Forum suche ich gezielt Info oder Hilfe bzw. biete diese auf Basis der Gegenseitigkeit an.
Das sind einfach zwei ganz unterschiedliche Ansätze.