Wer heute in die Google Suche das Suchwort “Google Buzz” eingibt, findet zunächst einmal Einträge vom 09. und 10. Februar 2010. Und dann mal lange nichts. Ein Zeichen dafür, dass seit dem Start-Tag nicht mehr so viel über Google Buzz geschrieben wurde. So wie die Berichterstattung, scheint mir auch Google Buzz eingeschlafen zu sein. Welche Rolle spielt der Dienst eigentlich wirklich?
Die Welt ist keine Google
Für die Nummer Eins der Suchmaschinen wird die Luft immer knapper wenn es um den Bereich Social Media geht. Noch vor 2 Jahren war die Weltanschauung von Google einfach. Das Internet ist Google und damit auch der Satz recht treffend, dass die Welt eben eine Google sein muss. Im Moment allerdings, müssen sich die Jungs und Mädels im kalifornischen Mountain View fühlen, wie einst römische Kirchenfürsten, denen letztendlich Magellan endgültig bewies, dass wir doch nicht auf einer Scheibe wandeln und in den Höllenschlund fallen, sollten wir dem Weltenrande mal zu nahe kommen.
Und das erst recht, nachdem nun bekannt wurde, dass Facebook von den Usern während der Arbeitszeit häufiger genutzt wird als Google. Eine Studie von Network Box aus den USA hat dazu über 13 Milliarden Besuche ausgewertet die über Business Servern liefen. Demnach besuchten davon während der Arbeitszeit 6,8 Prozent Facebook, während Google 3,4 Prozent, also die Hälfte davon besuchten.
Social Media als Heilsbringer
Social Media ist kein Hype sondern eine weitere Form der Kommunikation. Diese ist allerdings äußerst schnell, effektiv und für alle Beteiligten unter Umständen sehr Erfolgreich. Auch für Google auch eine Chance aber nicht weniger eine Gefahr. Google als Suchmaschine lebt von den Treffern, die eben besser sind als bei anderen. Dazu gehört auch die Aktualität der Treffer. Was aber Journalisten ebenso wie Produktentwickler bei Google längst begriffen haben ist, dass Socia- Media-Dienste wie Twitter und Facebook eben genau dies viel schneller liefern können. In Echtzeit generierte, top aktuelle Infos.
Dem ist auch die Einbindung der Echtzeitsuche über Twitter in die Suchergebnisse von Google geschuldet. Social Media allerding ist ja mehr als das. Es ist Kommunikation. Und hier hat Google trotz allem Erfolg einfach kein gutes Händchen. Zwar läuft das hauseigene Network Orkut in Brasilien wie Hölle und auch die Inder lieben es, aber damit war es das auch schon. Und selbst dort ist es nur eine Frage der Zeit, bis Facebook sich, nach meiner Bescheidenen Meinung nach, weiter durchsetzten wird. Und das ist für Googl eine große Gefahr. Die Werbekunden tragen das Geld dort hin, wo sich der User tummelt und idealerweise sogar noch nach Alter, Geschlecht, Ort und Vorlieben sortiert werden kann. Das bieten nun alles Social-Media-Dienste. Und nicht nur das. Ein Schlaraffenland für das Marketing. Die User bejubeln sogar Marken oder Produkte und machen sich zum Repräsentanten für lau. Wäre ich im Produktmanager in einem Unternehmen bekäme ich das Grinsen nicht mehr aus dem Gesicht.
Dagegen steht Google Adwords. Adwords funktioniert und bringt Google richtig Kohle. Aber man braucht keinen fränkischen Adam Ries in seinem Stammbaum zu führen um sich auszurechnen, warum Google die Muffe geht. Die Budgets werden nun mal mehr und mehr ins Social Media wandern.
Zu kompliziert oder Halbgas – Nicht Fisch nicht Fleisch
Als Google zum ersten mal die Standarte auf das Marsfeld pflanzte um zum Angriff zu blasen, hat man mit mit einem Hauch von Apple Geheimniskrämerei die eigentlich nur gezieltes Marketing für die Multiplikatoren namens Fangemeinde ist, den Dienst Google Wave auf den Markt gebracht. Auch ich war ganz heiß, endlich zu den auserwählten Testern zu gehören. Und ja, ich konnte mich dafür begeistern. Das Problem aber an Google Wave wurde schnell ersichtlich. Google Wave war nicht nur Mail auf Speed, sondern vermittelte dem Durchschnittsuser von einem Fiat Polo auf ein Spaceshuttle umgestiegen zu sein. Das Ding scheiterte einfach an seiner ungeheuren Geschwindigkeit und Komplexität. Sprich, es war overdosed und die User damit nicht zu erreichen.
Google Buzz dagegen war logisch. Man macht aus dem Mailaccount bei Google ein super Social-Media-Tool. Das auch noch ganz andere Sachen kann, als man das bei Facebook oder Twitter gewohnt ist. Mal eben Fotos und Videos aus den Seiten zu einer komplexen Nachricht zusammenfügen oder eigene Artikel schreiben und seiner Gefolgschaft, oder der Öffentlichkeit präsentieren. Ganz nach Belieben. Viel bunter, vielfältiger und eigentlich recht sexy von den Funktionen. Aber trotzdem, so richtig hat es einfach nicht buzz gemacht.
Woran liegt es diesmal?
Google Maps, Earth, Mail, Translator sind alles Dienste für die man Google dankbar sein darf. Kostenlos nutzbar für ein bisschen Datenstriptease. Leider vergessen das die meisten Nutzer mit ihrer “im Internet ist alles kostenlos” Metalität. Es wird nur gemosert, aber keiner sagt mal danke für die ganzen Vorteile für lau. Ich mag Google, wie man an den Zeilen unschwer erkennen kann. Ich arbeite viel damit und freue mich, dass Google Buzz wieder mal ein Dienst mehr ist, der mir hilft meine News zu verbreiten und geneigte Leser zu erreichen. Aber im Allgemeinen kann man ja wohl laut sagen, dass Google Buzz einfach nicht läuft. Es tröpfelt so vor sich hin. Diesmal aber ist es nicht kompliziert. Und durch die automatische Verbindung zu Mailpartnern wird den Nutzern sogar die Einstiegshürde genommen, die Twitter leider für viele Neulinge so undurchschaubar macht, bzw. den Dienst als Flop erleben lassen. Dort muss man sich nämlich zuerst einmal um die ersten Kontakte aktiv kümmern, sonst wird nichts daraus.
Also, woran liegt es denn dann? Ich denke die größte Bremse dürfte das Ausgrenzen von Facebook sein. Ob gewollt oder ungewollt, per Buzz kann ich meinen Facebook Account nicht bedienen bzw. andersherum arbeiten. Warum aber, soll der User verschiedenste Dienste einzeln bedienen müssen? Alle anderen wie LinkedIn oder Xing bemühen sich um Integration der anderen Dienste, um sich den Kuchen zu teilen bzw. in der Hoffnung keinen User zu verlieren und sogar noch welche dazu zu gewinnen. Aber auch der aktuelle Skandal um den Berater zum Thema Internet / Sicherheit in der Regierung Obamas, wird nicht gerade Buzz dienlich sein. Nicht nur das Andrew McLaughlin ehemaliger Chef Lobbyist von Google war. Auch seine Liste mit den stärksten Kontakten war einsehbar. Und auch darüber hat er wohl öffentlich ersichtlich mit Angestellten von Google diskutiert. In der Position wohl eher hinderlich. Und im Fazit schadet solch eine öffentliche Diskussion natürlich beiden Seiten. Eben auch Buzz.
Den Platz von Facebook einzunehmen, dürfte Google auch zukünftig schwer fallen bzw. in den nächsten Jahren nicht möglich sein. Also kaufen oder weitere Konkurrenzprodukte auf den Markt schmeißen? Der Google Buzz Button ist nun auch einfach für alle Websitebesitzer als Code einbindbar. Aber die Rettung bzw. Durchbruch werden solche Helferlein nicht darstellen. Ich bin gespannt, ob man Buzz endlich mit Facebook verbindet oder auch auslaufen lässt wie die Wave. Wäre schade drum.





























April 19th, 2010 at 15:26
Ich habe in letzter Zeit den Eindruck, daß Google bei seinen Neuvorstellungen “vergisst”, daß es nicht nur die sogenannten digital natives gibt, sondern auch einfach jede Menge Leute, für die sich das Internet nicht grundsätzlich von einer Bohrmaschine unterscheidet. Diese Leute haben in Buzz oder vorher in Wave schlicht und ergreifend keinen Nutzen oder Sinn gesehen. Auch ich habe beides getestet und mich anschließend gefragt: “Ja, gut und was jetzt?”
Niemand meiner Bekannten nutzt diese Programme, soweit ich weiß. Wir sind alle mit Email in der vorliegenden Form ziemlich zufrieden. natürlich hat jeder von uns noch den ein- anderen Wunsch an das Medium, aber im Prinzip kann es Alles, was wir von ihm wollen und es ist für unsere Bedürfnisse auch schnell genug.
Wir organisieren unsere Veranstaltungen und Projekte über Foren und per Email, Skype und Telefon. Da besteht einfach kein Bedarf nach etwas Neuen.
Und genau da ist Google meiner Meinung nach in eine, zumindest teilweise selbst gegrabene Grube gefallen.
Das Netz ist für eine relative kleine Gruppe zum zweiten (oder vielleicht sogar ersten)Zuhause gewrden. Diese kleine Gruppe schreit nach immer neuen Gimmicks, nach dem Echtzeitnetz und nach nochmehr Integration und das tut sie sehr laut.
Aber der Durchschnitts-Netznutzer ist meinem Eindruck nach ziemlich zufrieden. Er probiert zwar gerne mal ein neues Spielzeug aus, aber deshalb muss er es nicht wirklich nutzen wollen.
Das zeigen imho auch die Statistiken zu den Social Networks. Da reicht ja inzwischen auch schon eine Frequenz von einmal pro Monat, um als regelmäßiger Nutzer zu gelten.
So gesehen treibe ich auch regelmäßig Sport in der Muckibude….
April 19th, 2010 at 18:36
Ich nutze Buzz seit Beginn an. Ich habe es von Beginn an aktiv genutzt und weiß wie ich es nutzen möchte. Ich lese täglich mehrmals rein und poste viel. Ich folge neu entdeckten Leuten, und meine Verfolger wachsen ebenfalls langsam. Ich lese ungefähr drei mal pro Woche Artikel darüber, dass Buzz tot sei. Und dann schreibe ich jedes mal so was Ähnliches wie das hier, also in dem Sinne: Buzz ist wie jeder andere Service das, was jeder einzelne daraus macht. In diesem Sinne: fröhliches Weiterschlechtreden!
April 19th, 2010 at 18:45
Eins hab ich noch vergessen. Natürlich kann man Facebook von Buzz aus bedienen. Es gibt eine Buzz-App in Facebook: http://apps.facebook.com/buzzsync/
April 20th, 2010 at 08:38
Ich darf mich als begeisterter Google Nutzer bezeichnen. Ich rede Buzz nicht schlecht, sondern nutze es. Das Problem daran ist und bleibt aber, dass es nicht die Masse erreicht wie eben Twitter oder Facebook dies tun. Netzwerke sind gewollte Massengeschäfte. Buzz ist gut, aber schlecht um Massen zu erreichen. Und genau darum geht es. Es geht nicht darum als IT´ler einen wunderbaren Ersatz für Groups zu nutzen um sich auszutauschen, sondern schlicht um das Massengeschäft. Und Buzz begeistert schlichtweg Dich und mich, aber nicht die Massen. Diese lässt sich nicht zu einem Wechsel bzw. Parallelnutzung von Twitter/Facebook überzeugen. Danke für deinen Hinweis auf die App. Die kannte ich tatsächlich nicht und bin froh für den Tipp!!