Yourcha macht alles mögliche draus

Mo, Okt 27, 2008

Stellenbörsen & Networks

Heute sind mir die neuen Mediadaten für die Yourcha Regional Zeitung ins Mailpostfach geflattert. Da habe ich aber nicht schlecht gestaunt. In einem vorherigen Post habe ich beschrieben was ich von der Zukunft und den Kosten einer solchen Maßnahme halte. Und während die etablierten Tageszeitungen ihre Stellenanzeigen immer weiter zusammenstreichen müssen und die Samstagsausgaben auf einmal wieder gefaltet in die Gesäßtaschen passen, möchte Yourcha richtig eins drauf setzen.

Mehr als doppelt so hohe Auflage

Die kommende, aktuelle Ausgabe der Zeitung soll eine Auflage von 1,2 Millionen Exemplaren erreichen. Ab 2009 ist eine Auflage von sogar 3 Millionen geplant. Yourcha möchte dann auch weitere Städte und Gebiete beliefern. Die Zeitung wird dann nicht mehr ausgelegt und an Bahnhöfen in die Hände gedrückt, sondern gezielt in die Haushalte gesendet. “Wie denn das?” frage ich mich und finde die Antwort ebenfalls in den Mediadaten:

yourcha stellt die punktgenaue Distribution der yourcha-Regional Zeitung an die richtige Zielgruppe – und damit die größtmögliche Leser-Reichweite – durch die Nutzung fundierten Direktmarketing-Know-hows sicher. Auf Basis des „idealen Leserprofils“ werden die Empfänger aus einer der größten Marketing-Datenbanken mit ca. 40 Mio. Privathaushalten selektiert.

Als Yourcha startete, wurde das Unternehmen in Blogbeiträgen verdächtigt, damit die Adressdaten abzugreifen. Der Hintergrund: Sven Reuter der Gründer von Yourcha ist auch gleichzeitig der Gründer der Global Group. Die beiden Gesellschaften teilen sich auch den Firmensitz. Die Global Group bietet eine Vielzahl von Leistungen im Bezug auf qualifizierte Adressen an. Sei es deren direkte Vermarktung, die Durchführung von Kampagnen im Namen der Kunden, Marktforschung unsw. So wie es jetzt aber aussieht, läuft das Ganze anders herum. Man verfügt, wahrscheinlich durch die Global Group, über klassifizierten Adressen der Privathaushalte und wird die Yourcha Zeitung eben so an die Haushalte bringen.

Bewerber mit Ausgleich bei Verdienstausfall zum Wechsel animieren

Bequemlichkeit, Angst vor Neuem oder vor der Probezeit lässt viele Arbeitnehmer von einem Jobwechsel Abstand nehmen. Die Gehaltsausgleichsversicherung (GAV) von yourcha in Kooperation mit der R+V Versicherung sichert Jobwechsler bereits während der Probezeit für den Fall einer Kündigung durch den Arbeitgeber finanziell ab. Kandidaten, die sich auf Ihre Formatanzeige in der yourcha-Regional Zeitung bewerben und eingestellt werden, sind automatisch und kostenfrei versichert.

So steht es in den Mediadaten und gibt es schon seit März 2008 um die Nutzer zum Jobwechsel zu motivieren. Nette Idee, die allerdings wohl eher auf dem Blue Collar Markt ankommen dürfte.

Wandel zum Anzeigenblatt

War in den ersten Ausgaben zunächst nur die spartanische Angabe von Jobs möglich, so können die Unternehmen nun doch Textanzeigen mit einem Logo posten. Die Preise dafür variieren zwischen € 699,- für 55 mm x 84 mm und stolzen € 1.449,- für 115 mm x 84 mm bei der vollen Auflage von derzeit 1.2 Millionen gedruckter Exemplare. Das Layout/Satz wird dabei von Yourcha bzw. ich nehme an der Druckerei übernommen. Also keine freie Gestaltung.

Ganzseitige Anzeigen in der Yourcha Zeitung kosten dann auch für die Gesamtauflage heftige € 21.000,-  und eine 1/4 Seite € 5.800,- Auch wenn man im Hause Yourcha mit großer Auflage und gezielter Adressierung wirbt, das den Kunden, bzw. inserierenden Unternehmen zu verkaufen halte ich auf Dauer nicht für möglich.

Noch ein bisschen Franchise gefällig?

Yourcha bietet mit dem Tochterunternehmen Yourcha Professional GmbH ein Franchise-System als Personalberatung an. Hier können sich dann angehende Personalberater in der Datenbank tummeln oder Direktmailings versenden. Adressen liefert Yourcha und weitere Adressdatenbanken. (Vielleicht von der Global Group AG ? ). Die Mailings gehen an die Unternehmen im Namen der Franchisenehmer. Ob das bedeuten kann eine Anzeige in Yourcha zu posten und anschließend ein Mailing von einem der Franchisenehmer zu bekommen, weiß ich beim besten Willen nicht. Ein kleiner Tipp in Sachen Aktualität der eigenen Anzeigen. Wenn man bei Yourcha nach dem Arbeitgeber Yourcha sucht, bekommt man eben diesen Jobtitel angezeigt:

Screenshot Yourcha Ergebnisliste

Klickt man ihn allerdings an, stellt man schnell fest, dass der Job bei stellenanzeigen.de schon nicht mehr existent ist.

yourcha

screenshot stellenanzeigen.de

Konkurenz für Kununu?

Arbeitgeberbewertungen sind ja schwer im Trend. Dachte sich auch Yourcha und hat diesen Service nun in das Angebot mit aufgenommen. Gilt doch im Normalfall auch hier die Regel: Gutes wird selten, schlechtes recht häufig weitergetragen. Ich finde diese Idee an sich sehr gut wenn diese losgelöst angeboten wird. Ob die Unternehmen dies an einem Ort wo sie schalten auch noch gut finden, wenn es mal ordentlich Kritik hagelt, sei dahingestellt.

In dem Sinne bin ich mal gespannt was da noch so kommt. Auf jeden Fall ist es irgendwann mal an der Zeit eine Einladung nach Yourcha zu bekommen. Mit Kamera und Fragerunde.

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Der Artikel wurde geschrieben von:

- hat 800 Artikel geschrieben auf blogaboutjob Jobs Karriere Recruiting Arbeit.

Ich heiße Thorsten zur Jacobsmühlen bin freier Recruiting Stratege, Social Media und HR-SEO Evangelist, Autor und Blogger. Ich berate Unternehmen im strategischen Aufbau modernster Methoden im Recruiting. Seit über 10 Jahren im e-Recruiting tätig und seit 1994 im Web.Weitere Infos über die Autorenseite

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9 Kommentare dazu:

  1. Silke sagt dazu:

    Ob nun wohl wieder über die \Zwielichtigkeit\ von Yourcha debattiert wird? Bin schon gespannt auf die kontroversen Diskussionen, die von diesen neuerlichen Vorstößen ausgelöst werden ;)

  2. Manuel sagt dazu:

    Puuh, die Preise sind aber happig. Da bin ich mal gespannt, ob sich das Geschäftsmodell trägt. Apropos, was ist denn jetzt das eigentliche Geschäftsmodell?

  3. Thorsten sagt dazu:

    Ich denke man versucht aus allem nun Geld zu machen. Ob dies allerdings der Sache an sich dienlich ist, bleibt abzuwarten. Vor allem da es sich, wie bei der Zeitung, um Modelle handelt die eigentlich an Bedeutung verlieren, jedenfalls im Recruiting.

  4. Stefan sagt dazu:

    @Thorsten: Was gewinnt denn Deiner Meinung nach an Bedeutung beim Recruiting?

  5. Sascha Hillen sagt dazu:

    @Thorsten: Das lag mir auch gerade als frage auf der Zunge :o)

  6. Thorsten sagt dazu:

    Haha…dafür verlange ich eigentlich Geld meine Lieben. Aber soviel dazu: Gewinnen werden Personaler die verstehen, dass deren Ausbildung, Wissensstand und bisherige Arbeitsweise in dem Bereich des modernen Recruitings nicht mehr ausreichend ist und sie sich unter Umständen komplett neu erfinden müssen. Die Zukunft liegt in der differenzierten Ansprache verschiedener Altersgruppen bzw. Generationen mit nicht einem oder zwei Wegen, sondern mit allen Möglichkeiten die eine gewisse Effizienz versprechen und zur Verfügung stehen.

    Was alle Anbieter im Bereich Dienstleistung für das Recruiting vergessen haben, ist dass die Unternehmen selbst die Schlüsselposition besitzen. Die eigene Website, oder besser noch eine eigene Karrieresite, die mit allen zur Verfügung stehenden Mitteln, vielleicht auch international und auf die verschiedenen Bedürfnisse der Berufsgruppen und Altersgruppen arbeitet, wird der Gewinner sein. Alle Tools, egal ob Stellenbörse, Messe oder anderweitige Personalwerbung, sollen dazu dienen die passiv, aktiv und latent suchenden, potentiellen Bewerber auf die eigene Website zu führen und dort zu begeistern. Und dies muss gepaart sein mit einem durchdachten Employer Branding. DAS ist die Zukunft des Recruitings. Die Dienstleister sind nicht DIE Lösung sondern lediglich ein Weg von vielen und damit immer mehr ersetzbar, da immer wieder neue Dienste und Methoden nachrücken.

    Und warum ich die Printvariante von Yourcha als nicht zukunftweisend ansehe ist recht simpel. 3 Faktoren spielen hier eine große Rolle.

    1. Der Generationenwechsel. Die heutigen, relevanten Arbeitnehmer sind zum Teil schon durch die Generation ersetzt worden, die wesentlich Internetaffiner sind und Ihre Information nicht mehr aus den Printmedien sondern aus dem Internet holen. ( Ihr solltet mal auf einen Mediacoffe gehen mit den großen Verlagen. Da könnt Ihr mal selbst hören, wie dramatisch der Wegbruch der Printmedien ist. Und hier vor allem bei den Stellenanzeigen!!!) Das ist auch der Grund warum die Zeitschriften und Zeitungen ihre Geschäftsfelder immer mehr ins Web verlegen.

    2. Die Geschwindigkeit und Bequemlichkeit. Ebenfalls ein Ergebniss derVerhaltensveränderungen bei der Informationsbeschaffung. Schnell und einfach sollen Informationen zur Verfügung stehen. Das dies eher im Web möglich ist dürfte auch klar sein. Dazu zählen auch die bequemen Automatismen in Sachen Bewerbung, Suchfunktionen und Benachrichtigung. Durch die weiter fortschreitende Anzahl an Haushalten wird diese Entwicklung sich weiter fortsetzen.

    3. Die Preis/Leistung im Internet ist einfach besser. Natürlich gibt es bestimmte Ausnahmen, aber wir reden ja hier von den Printmedien an sich und nicht über eine wissenschaftliches Magazin wo man entsprechende Kandidaten finden kann, da hier alles kanalisiert wirkt.

  7. Sascha Hillen sagt dazu:

    Das die Unternehmen eine Schlüsselposition besitzen ergibt sich ja nun bereits aus dem Umstand das eben diese Vakanzen zu besetzen vermögen. Da gebe ich Dir recht Thorsten. Keine Frage. Dennoch ist es die Vielfalt an Angeboten die es dem Stellensucher/ dem latent Wechselwilligen ermöglicht ein Gesamtbild des für ihn zur Verfügung stehenden Marktes zu bekommen. Ein Jobboard hat die Aufgabe eine unterstützende Funktion einzunehmen. Sich demnach als Lieferant wahrzunehmen. Als ein Weg. Wie du es ja bereits angesprochen hattest. Dem Stellensucher bereits im Vorfeld eine Begeisterung zu entlocken, ihn mit einem breiten Angebot zufrieden zu stellen, dass ist die große Herausforderung für Dienstleister im eRecruiting. Eine Stellenbörse sieht sich demnach als \Push-Up\ für die Unterenehmen und sollte diesen qualitativ hochwertigen Ansprüchen Rechnung tragen.

  8. Thorsten sagt dazu:

    @Sascha
    Ja, es ist nun mal so. Ein Jobboard ist ein Mittel zum Zweck und nicht das Allheilmittel. Wenn man beim Ausbau eines Jobboards allerdings auf die Printmedien setzt um dies zu unterstützen, halte ich den Weg für falsch. Den Kunden (Unternehmen) interessiert das nicht, den interessiert nur das Ergebnis, bzw. Qualität und ein einwandfreier Service. Den Weg Print zu beschreiten um einen Stellenmarkt aufzubauen liegt im Risiko des Herausgebers und in meinen Augen ist dieser Weg dabei, ein ausgetretener und zugewucherter Pfad zu werden.

    Die Zukunft liegt wie gesagt in der Generierung von relevantem Traffic auf die Unternehmenswebsite, bzw. in das System des Unternehmens. Woher die Bewerber stammen spielt dann nur noch eine Rolle zur Definition der qualitativ geprägten Auswahlmethoden. Also, welchen Kanal soll man im Budget bedenken.

    Die Stellenbörsen, Gesuchedatenbanken, Social Networks usw. müssen sich da die Gedanken machen, wie man seinen Service aufsetzt, um diese Qualität liefern zu können. Und ganz ehrlich, ich erwarte da noch ganz andere Funktionen und Dienste, als es heute der Fall ist. (Thema Personalisierung, logische Matchingprozesse und semantische Suchen)

  9. Sascha Hillen sagt dazu:

    Stimme dir zu. Man sollte sich in seinem Medium aufhalten. Fokussiert.
    Sobald ein Jobboard sich als Partner versteht, und nicht wie du sagtest als Allheilmittel, ist ein großer Teil des Weges bereits klar ins Auge gefasst. Dabei zählt der Dialog in alle Richtungen. Nutzer – Kunden – Mitarbeiter.

    Was den Service angeht: Dieser richtet sich nach den Bedürfnissen der Zielgruppe, also nach den Nutzern (Stellensuchenden). Unabhängig von der Plattform, dem Jobboard also, sollte die direkte Ansprache (Dialog) geführt werden. Und genau dort kann man auch ansetzen. Welche Möglichkeiten des offenen Dialogs mit allen Nutzergruppen/ Kunden gibt es? Und welche davon sind die Effektivsten? Mit fällt dabei nur eine Handvoll sinnvoller Möglichkeiten ein: ganz vorn dabei ist der Blog.

    Da erzähle ich dir gerade nichts Neues :o) Auch gibt es hunderte Beispiele für gut bis sehr gut geführter Corporate Blogs. General Motors ist eines davon. Auch Monster hat sich da gut bewährt. Ich möchte die Möglichkeiten ausschöpfen und weiter gehen/ schauen.

    @Thorsten: Was hälst du von diesem Weg?

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