Bild kommt mit dem Aufreißer das die Deutschen nur noch 34,5 Stunden in der Woche arbeiten wollen. Focus online schiebt hinterher: Deutsche träumen von 34,5 Stunden Woche. Die Mehrheit der Bundesbürger wünscht sich kürzere Arbeitszeiten. Als ich das heute Morgen auf dem Weg in mein Büro gelesen habe, konnte ich es nicht so recht glauben und wollte mehr wissen. So einfach ist das ja nie mit den Umfragen und Studien.
Man braucht kein Arbeitsmarktexperte zu sein, um sich aus den täglichen Meldungen, einer anderen Vorstellung hinzugeben. Da ist zum einen die fortschreitende 2-Klassengesellschaft und die Masse derer, die eben immer weniger haben. Das sind die Einzelverdiener mit Familie die nicht wissen wie sie am Ende des Monats einkaufen sollen und nicht zu vergessen die vielen alleinerziehenden Mütter und Väter, die für einen KITA-Platz auch mal 600 Euro auf den Tisch legen müssen - neben den anderen Kosten wie Miete, Essen unsw.
Und da soll die Mehrheit nach der 34,5 Stunden Woche schreien? Also habe ich mal beim Deutschen Institut für Wirtschaftsforschung angerufen, auf deren Studie im Rahmen des sogenannten sozioökonomischen Panels, mehr als 30.000 Bundesbürger befragt wurden. Herr Rasch hat mir dann den Weg zur Studie gewiesen und Sie als blogaboutjob-Leser, können diese hier als pdf, kostenlos herunterladen.
Aber ich fasse mal zusammen was da noch drinsteht. Feststellen wollte man nämlich ganz differenziert, welche Beschäftigungsgruppen den Wunsch haben, ihre Arbeitszeit, und wenn wie, zu verändern. Und da anzunehmen war, dass der Wunsch nach Mehrarbeit
einen ganz anderen Motivationsgrund hat als umgekehrt, wurden die Berechnungen für die Erhebung auch schön getrennt aufgeführt. Dabei soll die Gruppe, die mit ihrer aktuellen Arbeitszeit voll zufrieden ist, keine Rolle spielen. Sie merken schon hier, dass die Lösung der Berechnung zu der diese Erhebung führen soll, nicht einfach verallgemeinert werden kann. Und das kam raus:
Besonders viel mehr arbeiten wollen
- die Jüngeren vor allem Männer
- die Erwerbstätigen mit ausländischer Staatsbürgerschaft
- die Bewohner Ostdeutschlands
- die nicht mit einem Lebens- oder Ehepartner zusammenwohnen
- die nicht mit Kindern in einem Haushalt wohnen
- die ein niedriges Haushaltseinkommen, aber einen höheren Stundenlohn haben
- und die vor allem jetzt wenig arbeiten.
Fast ganz spiegelbildlich sieht die Situation bei denen aus, die sich eine Arbeitszeitreduktion wünschen.
- Hier sind es die eher Älteren, mehr die Frauen
- die in Westdeutschland Lebenden
- die mit Lebens- oder Ehepartner zusammenwohnen
- die mit höherem Haushaltseinkommen
- aber mit niedrigerem Stundenlohn, und die vor allem viel arbeiten
Die Gruppen der Beschäftigten, die ihre Arbeitszeit verlängern wollen, und diejenigen, die sie verkürzen wollen, unterscheiden sich erheblich in ihrer Ausgangslage bezüglich der realen Arbeitszeit. Beide Wünsche sind leicht nachzuvollziehen, arbeiten doch die ersteren im Schnitt nur gut 26 Stunden, die anderen aber fast 43 Stunden.
Interessant ist allerdings, dass die Wunschzeit beider Gruppen, tatsächlich bei rund 34,5 Stunden liegt. Sieht man es realistisch, möchte der Single mit einem Teilzeitjob von 26 Stunden, endlich mindestens eine Vollzeitstelle mit 34,5 Stunden. Andererseits hätte die verheiratete Doppelverdienerin gerne mehr Zeit für ihre Kinder und würde von 43 Wochenstunden, lieber auf 34,5 Stunden kommen.
Die jeweilige soziale und finanzielle Situation ist ausschlaggebend für den Wunsch nach Umgestaltung der Arbeitszeit. Die wenig in der Tasche haben, wollen mehr verdienen, die genug verdienen um ihren sozialen Status zu halten, möchten lieber mehr Freizeit. Eigentlich ganz menschlich, oder? In Deutschland wird dies übrigens schon seit 1882 erfragt und festgehalten. Seitdem ist eine lineare Senkung der durchschnittlichen Arbeitszeit festzustellen. Allerdings hat sich auch gezeigt, dass eine Senkung der Arbeitszeit nicht unbedingt zu einem Anstieg an Arbeitsplätzen führt, so wie die Bild oder Focus das suggerieren. Das liegt alleine schon daran, dass die Menschen einen unterschiedlichen Bildungsgrad haben und somit nicht jeder, jeden Job machen kann. Das ist einfach Schönfärberei.
Übrigens, die Werte der Studie beruhen auf dem Jahre 2004 und sind somit schon 4 Jahre alt.






























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